


Der große Erfolg der
A320-Familie - die MD-80 im Abseits
Mit der A320 und der gestreckten
A321 sowie verkürzten A319 schaffte Airbus eine Flugzeugfamilie, die
international einen überaus großen Erfolg erlangte. Zwar konnte McDonnell
Douglas in den Jahren 1990 und 1991 jeweils 139 MD-80 absetzen und somit die
höchsten Auslieferungszahlen erzielen, aber ab 1992 brachen die Absatzzahlen
spürbar und dann dramatisch ein.
Die A320-Familie setzt neue
Maßstäbe/ Courtesy: Airbus
Für viele Fluggesellschaften in
Europa eine gute Lösung
Die A320 konnte nach anfänglichen
Problemen in der "Einführungsphase" zahlreiche weitere Bestellungen für sich
verbuchen. Die angesprochenen Probleme umfassten u.a. einige schwere Unglücke.
Erwähnt werden sollten der Absturz einer Air France A320 bei einer Flugshow in
Habsheim, der Absturz einer A320 von Indian Airlines in Bangalore und das
Unglück einer A320 der Air Inter in der Nähe von Strasbourg. Wie auch bei
anderen neu eingeführten Flugzeugtypen, hatte auch die A320 bei diversen
Fluggesellschaften "Kinderkrankheiten", die aber mit steigender Einsatzerfahrung
behoben werden konnten. In Europa entschieden sich sehr viele klassische
Liniengesellschaften für die A320 als Ersatz ihrer 727. Hier konnte Airbus im
Vergleich u Boeing (mit ihrer 737-400) sehr wichtige und große Aufträge
verbuchen. Erwähnt seien die damaligen Entscheidungen von Air France, Lufthansa,
Iberia und TAP Air Portugal, die ihre 727-200-Flotten durch A320 ersetzten,
wobei bei Iberia die 727 noch bis 2001 eine tragende Rolle im Inlandsverkehr
spielen sollte und nur eine relativ kleine Anzahl von 727 tatsächlich von den
ersten 22 A320 ersetzt wurden. Bei Lufthansa wurden bis Oktober 1991 die letzten
727 aus dem Liniendienst genommen, 1993 erreichte auch Air France dieses Ziel.
Immenser Erfolg der A320 in den USA
In den USA konnte Airbus mit der
A320 einige rückblickend sehr wichtige Aufträge für sich verbuchen, die den
traditionellen Markt von Boeing penetrierten. Northwest und United Airlines
bestellten die A320, während auch Pan Am und Braniff zu den frühen Kunden
gehören sollten.
A320-Modell in klassischen
Farben der United/Courtesy:
Airbus
Bei den traditionellen McDonnell
Douglas-Kunden konnte Airbus zu diesem Zeitpunkt noch keinen Erfolg erzielen.
Dies lag u.a. auch daran, dass einige sehr wichtige US-Fluggesellschaften im
Zeitraum 1982 bis 1987 begannen, MD-80 einzuführen - also erst einige Jahre
zuvor. Hier sollten American Airlines, Continental Airlines, Delta Air Lines und
TWA nicht unerwähnt bleiben. Rückblickend eroberte die A320 in dieser Phase eher
traditionelle Boeing-Kunden, die sich eigentlich für die 737-400 hätten
entscheiden können. Dennoch konnte die Boeing 737-400 in den USA zumindest bei
Piedmont Airlines/USAir in größerer Zahl abgesetzt werden, aber weitaus mehr
Verkäufe der 737-400 wurden international erzielt und nicht national.
Northwest Airlines entschied sich
sehr früh für die A320 als mittelfristigen Ersatz der 727-Flotte, während
gleichzeitig ab 1986 Northwest zum größten DC-9-Betreiber wurde, nachdem man die
Republic Airlines übernahm. Es ist somit Ironie, dass Northwest Airlines als
dann mit Abstand größter Nutzer der DC-9 - selber keine einzige DC-9 ab Werk
abnahm, aber in den nächsten Jahren durch Mithilfe von objektiven Untersuchungen
und eigenen Einsatzerfahrungen ihre DC-9-Flotte systematisch ausbaute und über
180 DC-9 dann ab Mitte der 1990er eingesetzt wurden. Die kleine ebenfalls durch
Republic Airlines übernommene Teilflotte von MD-82 sollte bis zur ihrer
Ausmusterung 1999 keine tragende Rolle bei Northwest spielen. Die sehr kleine
Teilflotte animierte weder zu weiteren Zukäufen von MD-80 (hier war die
Entscheidung für die A320 eine klare Aussage).
Für weitere Informationen über die
DC-9 bei Northwest, klicke bitte hier:
Erfolg der A320 in Kanada
Kanada war und ist kein
traditioneller Markt für die MD-80 gewesen, wenngleich die DC-9 dort nach
Abwägung aller Faktoren wohl das bisher wichtigste zivile Jetflugzeug in Kanada
war und den Luftverkehr "revolutionierte". dennoch gelang es McDonnell Douglas
nicht, der Air Canada (als ersten internationalen Kunden/Betreiber der DC-9)
auch für die MD-80 zu gewinnen. Hierbei ging es zumindest in einer fraglichen
Zeitphase um den möglichen Kauf von MD-88 von Air Canada, während Boeing die
737-400 anbot. Aber auch zuvor versuchte der Hersteller vergeblich, der Air
Canada DC-9-50 als Ergänzung der DC-9-32 zu vermitteln. Hier sah Air Canada in
dem Mix DC-9-32/Boeing 727-200 die für sie beste Lösung ihres Streckennetzes.
Die Entscheidung von Air Canada für
34 Airbus A320 als Ersatz der Boeing 727-200 war ein weiterer Achtungserfolg und
sollte sich auch in weiteren Verkäufen für die A319 und A321 bei Air Canada
zeigen. Relativ früh gab es Gerüchte, dass der Airbus-Deal mit Air Canada nicht
zu 100% "sauber" gewesen sei - es wurden Korruptionsvorwürfe laut, die - falls
ich mich richtig entsinne - sogar zu politischer Unruhe und Rücktritt von
mindestens einem kanadischen Politiker geführt haben. Der primäre Vorwurf war,
dass ein "Unterhändler" Zahlungen in Höhe von ca. 14 Millionen $ für den Deal
für 34 A320 erhalten haben soll. Air Canada bestritt dies und gab zu verstehen,
dass man "immer direkt mit dem Hersteller verhandelt habe".
Erfolg der A320 in Mexiko
Ein großer Erfolg für Airbus war
sicherlich die Entscheidung von Mexicana für die A320 als dann schrittweisen
Ersatz der Boeing 727. Gleichwohl konnte aber McDonnell Douglas den
Traditionskunden AeroMexico trotz der damaligen Probleme Ende 1988 weiterhin an
sich binden: AeroMexico baute ihre MD-80-Flotte weiter aus.
Die A320 in Südamerika
Die A320 war aufgrund verschiedener
wirtschaftlicher Faktoren in Südamerika oftmals nur ein "Wunschgedanke" von
diversen Fluggesellschaften. Die damalige Situation kann man somit nicht mehr
mit der heutigen Situation vergleichen. Südamerikas Fluggesellschaften hatten -
sieht man einmal von einigen Ausnahmen ab - eher den Ruf, ältere Flugzeuge
einzusetzen und finanziell eher klamm zu sein. Selbst staatliche
Luftverkehrslinien hatten Probleme, ausreichend finanzielle Mittel zur
Flottenerneuerung zu erhalten. Zusätzlich spielten Faktoren wie Lärmarmut etc.
in der dortigen Region keine wirkliche Rolle - es gab und gibt dort unter der
Bevölkerung eher andere Probleme...
Die A320 konnte in Südamerika erst
in späteren Jahren überaus große Erfolge verbuchen und das Erbe so mancher 727
und 737 antreten. In der ersten Hälfte der 1990er gab es nur wenige
südamerikanische Fluggesellschaften, die ihre Flotte teilweise radikal erneuern
konnten. Dazu gehört Avianca Colombia, die elf MD-83 über GPA anmieten konnte
und damit zumindest auf wichtigen internationalen Routen nach Nordamerika ihre
727 ersetzen konnten. Die MD-83 wurde bei Avianca sehr schnell - nach Aussage
eines damaligen Chefs - das Arbeitspferd der Kurz- und Mittelstrecke. Aber nur
wenige Jahre nach Einführung der MD-83 gab es 1994/95 Meldungen, dass Avianca
die A320 favorisieren würde und man die mangelnde Frachtkapazität der MD-83 als
Problem ansehen würde. Diese Kritik verschwand recht schnell wieder und durch
die Integration von ACES wurde Avianca sogar ein A320-Betreiber, wenngleich
Avianca sehr schnell diese A320 retournierte. Letztlich hat aber Avianca in
jüngerer Vergangenheit die Weichen gestellt - A319/320 werden die MD-83
ersetzen.
Weitere Erfolge
Weltweit konnte sich die A320
etablieren - in Australien, in Asien, in Indien, in Teilen von Afrika. Die A320
konnte Verkaufserfolge erzielen, die für die MD-80 bis zum Produktionsende
verschlossen blieben. Hier seien Indien und Südafrika genannt. In Australien
gelang es McDonnell Douglas ebenfalls nicht, die frühen Kunden Ansett und TAA
für die MD-80 zu gewinnen. Bei Ansett wurde die DC-9 schon Anfang der 1980er
gegen Boeing 737-200Adv. ausgetauscht. Nicht ganz unberechtigt kam immer wieder
der Vorwurf, dass Ansett eher Flugzeuge (öfter mit Sonderausstattungen)
bestellte, weil sie bestellen wollte und dadurch auch ein Flottenmix geflogen
wurde, den man objektiv als eher kompliziert betrachten konnte. TAA setzte zwar
bis 1989 die DC-9 ein, aber TAA/Australian Airlines entschieden sich legitim für
die 737-300/-400 als Ersatz der DC-9.
Courtesy: McDonnell Douglas
Es existiert eine solche
Modellzeichnung auch von einer Qantas MD-80 - wer kann helfen?
Die A321 und A319
Mit der A321 und A319 schaffte
Airbus eine Familie, die McDonnell Douglas nicht in dieser Form bieten konnte
und ein ernsthafter Konkurrent zur Boeing 737-300/-400/-500 sowie Boeing 757-200
werden sollte. Die A321 wurde ab 1994 erstmals bei Lufthansa und Alitalia
eingesetzt, die A319 konnte von Swissair und Lufthansa erstmals ab 1996 in
Dienst gestellt werden. Die A319 und A321 konnte zumeist bei bestehenden Kunden
der A320 Bestellungen erhalten, wobei es aber auch Kunden gab, die zuerst A321
oder A319 einführten und dann andere Mitglieder der A320-Familie einführten.
Weltweit konnte die A320-Familie Verkaufserfolge erzielen, während gleichzeitig
ganz offenbar wurde, dass die MD-80 als alleiniges Produkt chancenlos war.
Swissair und Austrian Airlines
brachten es bei ihren Entscheidungen zugunsten der A320/321 auf den Punkt: die
Flugzeugfamilie bot modernste Technologie und eine Einsatzflexibilität, die
McDonnell Douglas so nicht bieten konnte. ES war klar, dass die MD-90 als
einziges Modell gar keine Chancen haben konnte und gleichzeitig die Boeing 737
möglicherweise nicht die Vorteile gegenüber der MD-80 aufgezeigt hätten, wie es
bei der A320/321-Kombination dann zu sein schien.
A321 als Ersatz der 757-200
Die A321 drang zunehmend auch in den
klassischen Markt der Boeing 757-200 ein und erzielte Erfolge bei diversen
Fluggesellschaften, die ihre 757 tatsächlich durch die A321 ersetzten. Zwar kann
die A321 selbst in der stärksten Ausführung A321-200ER nicht die
Leistungsfähigkeit einer 757-200 bieten, aber Tatsache ist auch, dass ein
Großteil des Einsatzspektrums der 757-200 von der A321 erfüllt werden konnte und
kann und es somit für manch eine Fluggesellschaft die wirtschaftlich bessere
Lösung darstellen sollte, ihre 757-Flotten zugunsten einer A320-Familie zu
ersetzen. Hier sei Iberia genannt, die faktisch ihre gesamte 757-Flotte durch
A321 ersetzte. Unabhängig davon wird aber zunehmend die 757-200 von einigen
(zumeist US-Linien) für Flüge zwischen den USA und Europa nonstop eingesetzt -
ein Hinweis für die hohe Leistungsfähigkeit des Musters. Der Einsatz "über den
großen Teich" mit der 757-200 war zwar in den 1980ern und auch Anfang der 1990er
schon praktiziert worden, aber erst in den letzten Jahren begannen bekannte
US-Linien mit dem Einsatz der 757 auf neu initiierten Routen zumeist ab der
Ostküste der USA zu Zielen nach West-/Mittel- und Südeuropa. Zwar unterliegen
einige dieser Flüge Nutzlastbeschränkungen und bei starken Westwinden sind auch
Zwischenlandungen erforderlich, aber gesamt gesehen scheinen sich die 757 zu
bewähren. Zusätzlich rüsteten diverse Fluggesellschaften ihre 757-200 mit
winglets aus, die für eine noch weitere Steigerung der Leistungsfähigkeit
sorgen.





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