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MD-83/Courtesy and Copyright: md80design In Deutschland war die Aero Lloyd der wichtigste und bis auf ein kurzes Stelldichein der German Wings und BerlinJet, auch der einzige Betreiber der McDonnell Douglas MD-80. Ähnlich wie in Großbritannien und ganz anders als z.B. bei den Charterlinien in Spanien, hatte es die MD-80 schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. Über Jahre hinweg war die MD-80 das Arbeitspferd der Aero Lloyd und leistete treue und zuverlässige Dienste. Während ihrer Dienstzeit bei Feriengesellschaft kam es zu keinen schweren Zwischenfällen mit eventuellem Verlust an Menschenleben oder Totalschaden des Fluggeräts. Der Hersteller zeichnete sogar Aero Lloyd und ihre MD-80 aufgrund der hohen Zuverlässigkeit aus. Erste MD-83 Für die Aero Lloyd war die Auslieferung der ersten McDonnell Douglas MD-83 am 06.04.1986 ein großer Schritt, denn erstmals wurde ein fabrikneues Flugzeug erworben und die MD-80 stellte damals ein sehr modernes Flugzeugmuster dar. Die MD-83 wurde von den Mitarbeitern, den Reiseveranstaltern und nicht zuletzt von den Passagieren sehr gut angenommen.
Der erste planmäßige Chartereinsatz soll am 25.04.1986 stattgefunden haben. Die MD-80 schaffte eine neue Unternehmensidentität und Aero Lloyd konnte sich positiv von anderen Feriengesellschaften absetzen. Mit Einführung der MD-83 wurde auch ein neues und sehr attraktives Farbschema eingeführt.
1987 folgten zwei weitere MD-83 und somit stieg auch die angebotene Kapazität weiter rasant an. Das Geschäft lief so gut, daß zum Beispiel die drei Caravelle weiterhin eingesetzt wurden. Aero Lloyd übernahm zwischen 1986 und 1991 insgesamt elf MD-83 und vier MD-87 fabrikneu von McDonnell Douglas, zwei weitere ex-German Wings MD-83 kamen 1991 hinzu. Die erste MD-87 konnte im Frühsommer 1988 übernommen werden.
MD-87/Courtesy and Copyright: md80design Neben ihrer erheblich aufgewerteten technischen Ausstattung bot die MD-83 mit ihren 167 Sitzplätzen auch eine viel höhere Sitzplatzkapazität als die bis dahin eingesetzten 119-sitzigen DC-9-32 und 99-sitzigen Caravelle 10R. Die MD-87 boten zwar weniger Kapazität, aber eine größere Reichweite. Die operationelle Basis der Fluglinie war Frankfurt/Main. In Frankfurt sah man sehr oft MD-80-Jets der Aero Lloyd an eher entlegenen Parkpositionen. Mit Zulauf der MD-80 konnte Aero Lloyd ihren Marktanteil am Charterverkehr ab Deutschland erheblich ausbauen und die Airline baute auf dem damals neuen Flughafen München FJS (Franz Josef Strauss/ Erdinger Moos) eine weitere Basis auf und es war eine MD-83 der Aero Lloyd, die mit einer morgendlichen Landung am 17.05.1992 den Flugbetrieb des neuen Flughafens eröffnete.
Charterfluglinien betreiben ihre Flugzeuge mit hoher Sitzanzahl und hier machte Aero Lloyd mit ihren MD-80 auch keine Ausnahme. Aero Lloyd konfigurierte ihre MD-83 mit je 167 Sitzplätzen, während die kleineren MD-87 mit 137 Sitzplätzen ausgestattet wurden. Die Reichweite der MD-83 wurde von Aero Lloyd mit 4580 Km und die der MD-87 mit 5400 Km angegeben. Aero Lloyd betrieb ihre MD-83 und MD-87 mit 5 bzw. 2 Sitzen weniger, als vom Hersteller und von den Luftfahrtbehörden erlaubt. Angemietete MD-82/-83 wurden auch mit "nur" 165 Sitzen betrieben, später sollen die MD-82 auch mit 167 Sitzplätzen konfiguriert worden sein. Hervorragende Wirtschaftlichkeit der MD-80 Die MD-80 war für ihre hervorragende Wirtschaftlichkeit (besonders in dichter Charterbestuhlung) bekannt; zählte die MD-80 zu Beginn ihrer Karriere zu den leisesten Flugzeugen ihrer Klasse, so deutlich wurde auch in späteren Jahren, daß die MD-80 nur noch marginal Chapter 3 erfüllt. Unterdessen unterstrich Aero Lloyd damals, daß die MD-80 wirtschaftlich sehr gut einsetzbar sei. Von Mitte 1982 bis Ende 1993/Anfang 1994 betrieb Aero Lloyd auch drei DC-9-32 (ex-Garuda Indonesia), die aber aufgrund von Beschränkungen im Einsatz (Reichweite, Kapazität ("nur"119Sitze) und Lärmemission) sowie Überkapazitäten nicht mehr benötigt wurden. Diese wurden 1993/94 ausgemustert und an Midwest Express verkauft. Da sich Aero Lloyd seinerzeit auf Konsolidierungskurs befand, wurde die Flotte eingefroren (13 MD-83, 4 MD-87) und erst Ende 1994 wurden zwei MD-82 (ex Adria Airways) angemietet. Aero Lloyd mietete weitere MD-80 an, reduzierte ihre MD-87-Flotte aber ab 1996 und setzte zeitweise bis zu 20 (22?) MD-80 ein - die MD-87 verließen 1997 die Flotte. Die MD-87 schien generell für Aero Lloyd etwas zu klein zu sein. Großes Einsatzspektrum - Charter und Linie Die MD-83/-87 kam auf dem gesamten Streckennetz der Aero Lloyd zum Einsatz. Weit über 30 Ziele wurden damals angesteuert und dazu zählten auch die als "schwierig" bezeichneten kleinen griechischen Inselflughäfen. Auf dem Flughafen Palma de Mallorca war der Anblick von mehreren MD-83/-87 in den Farben der Aero Lloyd ein vertrauter Anblick. Von Ende 1988 bis 1992 versuchte sich Aero Lloyd auch als Liniencarrier und dieser Ausflug hat die Fluggesellschaft fast an den "Rand des Abgrunds" gebracht. Aero Lloyd führte morgens und abends Liniendienste mit einer attraktiven DC-9-32-, MD-83- und MD-87-Flotte durch. Tagsüber wurde das Charterprogramm absolviert. Die Grundidee betrachte ich persönlich als sehr gut, aber es waren zu viele Hürden und Probleme, denn es wurde nicht immer zugunsten von Aero Lloyd entschieden und das Verkehrsministerium war möglicherweise eher bedacht, Lufthansa zu schützen oder zumindest Konkurrenz zu erschweren. Die Auslastung war anfangs trotz günstigerer Flugpreise sehr niedrig (z.T. nur eine Handvoll Passagiere pro Flug) und zahlreiche Flüge wurden deswegen schon nach wenigen Tagen gestrichen. Man sollte erwähnen, daß es damals nicht möglich war, daß eine Fluglinie selber massive Preisnachlässe anbieten konnte, sondern der Luftverkehr in Deutschland noch stark reguliert war. Die Auslastung besserte sich auch nach Einrichtung weiterer Frequenzen nicht im erhofftem Maße. 1990 wurde eine Business Class eingeführt; die Anlaufverluste im Linienverkehr und die Golfkrise brachte aber die Aero Lloyd in arge finanzielle Probleme und eine länger andauernde Rettungsaktion begann. Bis dahin kompensierten die Gewinne des Charterverkehrs die Verluste im Liniengeschäft, aber das konnte natürlich nicht Sinn der Sache sein. Aero Lloyd gab nach und nach fast alle Liniendienste auf, bis nur noch die Route Frankfurt - Berlin angeboten wurde, die falls ich mich nicht irre, mit den von German Wings übernommenen zwei MD-83 (mit 114 komfortablen Sitzplätzen konfiguriert) durchgeführt wurden. Aber auch hier blieb ihr der Erfolg versagt, obwohl Aero Lloyd für ihre Freundlichkeit allgemein bekannt war und die Flugpreise unter denen von Lufthansa lagen. Hier sei erwähnt, daß seinerzeit die Flugpreise noch vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden mussten und Lufthansa generell vor Konkurrenz geschützt wurde. Der letzte Linienflug wurde dann am 28.03.1992 durchgeführt und somit die Rettungsleine gezogen. Die Lage verschlechterte sich aber weiter und es sollen sogar Reiseveranstalter mit Krediten ausgeholfen haben. Andererseits profitierte Aero Lloyd durch die Pleite der Air Europe und konnte ihre Kapazitäten ganz gut unterbringen. In schwachen Nachfragezeiten wurden MD-80 an andere Fluglinien vermietet. Die finanzielle Situation soll aber weiterhin sehr angespannt gewesen sein und Aero Lloyd soll sogar von Reiseveranstaltern finanziell geholfen worden sein. So wurden Kredite genehmigt und dafür Kapazitäten zur Verfügung gestellt. In der Sommersaison waren die MD-80 generell gut gefüllt und somit die Auslastung insgesamt erfreulich. Wie schon erwähnt, trennte sich Aero Lloyd von ihren drei DC-9. Damit konnten Überkapazitäten abgebaut, aber nicht vollständig erzielt werden. Die letzte DC-9-32 soll im Februar 1994 die Flotte verlassen haben. Die Fluggesellschaft konnte aber ihre Situation wieder stabilisieren und 1994 (?) einen Nettogewinn von 5 Mill. Mark (ca. 2,5 Mill. Euro) ausweisen. Somit sah man wieder optimistischer in die Zukunft und die Anmiete von zwei MD-82 wurde beschlossen, damit man weitere Kapazitäten anbieten konnte. |