




Der
letzte Vorhang fällt...
...oder: Vielen Dank für die
MD-Liner
Im August 1997 wurde die
"Fusion" zwischen Boeing und McDonnell Douglas bekannt. Die gesamte
Zivilflugzeug-Sparte des Traditionsherstellers McDonnell Douglas wurde
angezweifelt und kritisch beäugt. Das drohende Ende der Douglas-Dynastie war
schon vorher fühlbar oder man konnte ahnen, daß etwas im Hintergrund lief.
1996 wollten beide Erzrivalen "zusammen arbeiten".
Die
"Zusammenarbeit" sah dann so aus: Die MD-80 befand sich
schon am Ende ihres Zyklus, die MD-90 war (nach Ansicht von Boeing) eine
gewisse Überlappung mit ihrer eigenen B737 NG und die MD-11 verpasste trotz massiver
Modifikationen (um die garantierten Leistungsdaten zu erfüllen) den
Anschluss
und konnte ihren zeitlichen Vorteil gegenüber den Mustern A340 und B777
nicht nutzen.
Die letzte
fabrikneue MD-80 wurde an TWA ausgeliefert. Courtesy: McDonnell Douglas/
Boeing
Obwohl Boeing zuerst noch auf Druck
der EU und auch wichtiger MD-Betreiber bestätigte, daß die MD-80/-90 und
MD-11 auch weiterhin angeboten würden, um auch in Zukunft augenscheinlich
einen dritten Anbieter von Flugzeugen anzubieten, so war schnell klar, daß
es nicht wirklich im Interesse von Boeing war. Die
MD-95 war noch nicht flügge und drohte eingestellt zu werden, bevor dieses
Flugzeug überhaupt eine Chance bekommen sollte. Zwar drohten einige
MD-80-Betreiber, bei einer drohenden Einstellung der MD-80/-90-Fertigung, in
Zukunft nur noch Airbusse zu ordern, aber für Boeing war dies kein Grund,
ihre nunmehr große Produktpalette nicht radikal zu straffen. Es kursierten zwar Gerüchte, daß
die MD-80/-90 in der VR China weiterhin gefertigt werden sollten, aber es änderte
nichts an der Tatsache, daß der bittere Beigeschmack entstand, daß Boeing die Produktion
der fest bestellten MD-Flugzeuge nur noch abwickeln wollte.
Die erste MD-95
bekommt ihre Tragflächen/ Courtesy: McDonnell Douglas/ Boeing
Keine Airline dachte an eine Bestellung für MD-95 - ein Modell, daß in der
Entwicklung ist und ohne sichere Zukunft. Trotzdem wurde der Bau der ersten
MD-95 weiter fortgesetzt.
Die erste MD-95/B717
nimmt Gestalt an/ Courtesy: McDonnell Douglas/ Boeing
Die Entwicklung der MD-95 war
völlig ungewiss und erst am 09.01.1998 gab Boeing bekannt, daß die MD-95-30
unter der Bezeichnung Boeing 717-200 in die bestehende
Boeing-Produkt-Palette integriert werden sollte.

Mit neuem Namen
versehen, aber den Charme von MD-Flugzeugen nicht verloren: die B717-200/
Courtesy: Boeing
Zu diesem Zeitpunkt war die
Einstellung aller anderen MD-Flugzeuge schon beschlossene Sache. Die
MD-80-Linie wurde aufgrund eines TWA-Auftrages Mitte 1998 über 24 MD-83 noch bis Ende
1999 aufrecht erhalten, die letzte MD-90 wurde an Saudi Arabian Airlines im
Februar 2000 ausgeliefert und die letzte MD-11F wurde Anfang 2001 an
Lufthansa Cargo ausgeliefert.
Saudi
Arabian MD-90-30/ Courtesy: Airliner World
Die MD-95 sollte mit ihrer neuen
Bezeichnung B717 jetzt voll in den Genuss des Namens "Boeing" kommen und
Analysten bewerteten den Namenswechsel als positiv für die MD-95, da "Boeing
die stärkere Marke wäre".
„Put a cheap and cheerful product like the
717 into the hands of an aggressive giant like Boeing and you have a
combination powerful enough to run smaller rivals off the road“
(Zitat)
Die B717 trägt somit als einziges
Produkt der Boeing-Familie die klassischen Merkmale eines zweistrahligen
Flugzeugmodells von McDonnell Douglas, aber diese Tatsache erleichterte der
B717 nicht den erhofften Verkaufserfolg unter der neuen Bezeichnung. Die Integrierung in die
Boeing-Familie sollte die Zukunft der B717 sichern und die Monate der
Ungewissheit beenden. Es sollte sich aber bis Ende 2002 zeigen, daß immer
wieder Gerüchte hinsichtlich einer Beendigung der B717-Fertigung die Runde
machen würden. Boeing übernahm ein fast vollständig entwickeltes Flugzeug
und somit war das Design der B717 bereits eingefroren. Die B717 sollte mit
geringem Aufwand betrieben werden und so wurde sehr viel Wert auf eine
einfache Auslegung gelegt. Die B717 übernahm mit leichten Veränderungen die
Hecksektion der MD-87. Die Triebwerkspylone wurden für die Adaptierung der
BR715-Triebwerke entsprechend modifiziert und verstärkt. Das BR 715 wiegt
2915 Kg und dieses Gewicht verursachte schon zu McDonnell Douglas-Zeiten
Kopfzerbrechen. Wie schon anderer Stelle erwähnt, wurde der Rumpf vor der
Tragfläche um zwei Spanten verlängert. AirTran (ex ValuJet) wünschte aber
eine weitere Sitzreihe und so wurde der Rumpf um insgesamt 1,45 m gestreckt.
So war die B717 "perfekt ausbalanciert", obwohl McDonnell Douglas zuerst
Sorge darum hatte, daß die B717 jetzt sehr nah an die Kapazität der B737
heran kommt. Die endgültige Version wuchs also auf 37,81 m an. Das
MD-87-Leitwerk wurde um insgesamt (jetzt endgültig) 25 cm erhöht, um die
reduzierte Längsstabilität des kürzeren Rumpfes zu kompensieren.
Tragfläche der DC-9-34
Die
Boeing 717 übernahm mit minimalen Veränderungen die Tragfläche der DC-9-34 mit
einer Flügelpfeilung von 24°. Die
Designer hatten eine gewisse Aversion gegen Verbundwerkstoffe, da hier die
Wartungskosten für dieses Material beim Kurzstreckeneinsatz deutlich höher
sind als bei üblichen Aluminiumlegierungen. So kann man Flugzeuge mit
konventioneller Bauweise besser reparieren als Strukturteile aus
Verbundwerkstoff und bei Beschädigung eines Bauteils entstehen oftmals hohe
Kosten, daß ein ganzes Bauteil neu eingebaut werden muss. So könnte man
theoretisch auch bei der 717 die Tragflächen vollständig aus einem Bauteil
mit modernsten Verbundwerkstoffen fertigen, aber bei Beschädigung muss die
gesamte Tragfläche abmontiert und durch eine neue Tragfläche ersetzt werden.
Außerdem ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob eventuell Materialermüdung auch
bei Verbundwerkstoffen auftritt und sogar weniger gut zu kontrollieren ist. Die
modernere Aluminiumlegierung mit der Bezeichnung "2024T3" kommt bei der B717
zum Einsatz. Der
Einsatz von eben erwähnten Verbundwerksstoffen ist, ähnlich wie bei der MD-80/-90
auf Teile der Klappen, Bugnase, Heckkonus usw. beschränkt.
Schutzprogramme gegen Korrosion wurden weiter verfeinert. Das
BR715-Triebwerk ist eines der Ecksteine, die der Boeing 717 Wirtschaftlichkeit,
Leistungsfähigkeit und Effizienz garantieren sollte. Während der Entwicklung
des BR715 kam es zu Problemen in der Erprobung (Haarrisse an
Turbinenschaufeln), die sich negativ auf den Zeitplan der B717-Flugerprobung
auswirkten. Es
scheint so zu sein, daß AirTran sich zu diesem Zeitpunkt sehr dafür
einsetzte, daß die B717 eine Zukunft hat.
Die erste für Air
Tran vorgesehene B717-200 nimmt Gestalt an. Courtesy: Boeing






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