"Frischer Wind im innerdeutschen
Linienverkehr"/Courtesy
and Copyright: md80design
Die kurzlebige, in München-Riem ansässige German Wings war nach Aero Lloyd
der zweite deutsche MD-80-Betreber. Ausgangspunkt für diese Fluggesellschaft
war die kleine Gesellschaft "Air-Flight". Ab 1985 planten die Gebrüder
Kimmel den Aufbau einer zweiten deutschen Liniengesellschaft (nach
Lufthansa). Dieses Vorhaben war von Anfang an mit Schwierigkeiten verbunden
gewesen. So weigerte sich Lufthansa u.a., Flugtickets der German Wings
anzuerkennen (übliche "Interline-Abkommen"). Es war anscheinend der
Lufthansa gar nicht gleichgültig, daß German Wings u.a. mit dem Slogan warb,
"Erste Klasse zu fliegen und Economy-Tarif zu zahlen". German Wings erstritt
sich aber vor Gericht, daß Lufthansa mit German Wings kooperieren musste.
German
Wings entscheidet sich für die MD-83
Mehreren Quellen nach meldete McDonnell Douglas in einer Pressemitteilung
vom 13.12.1988 (hier in deutsch übersetzt):
"McDonnell
Douglas freut sich mitteilen zu können, daß die demnächst neu auf dem Markt
erscheinende Fluggesellschaft German Wings vier MD-83 fest bestellt und
Optionen für weitere vier MD-83 unterzeichnet hat. Die ersten vier MD-83
werden im Frühjahr 1989 ausgeliefert, die übrigen vier Flugzeuge sollen im
Sommer folgen. Die in München ansässige German Wings ist die erste in
Privatbesitz befindliche Liniengesellschaft, die sich bemüht hat,
Linienrechte zu erhalten. Dabei soll den Passagieren in der Business Class
ein First Class-Service zu Economy-Preisen geboten werden." Die
Geschäftsführer Peter und Christian Kimmel erklärten in Long Beach: "Wir
sind froh, unseren zukünftigen Passagieren die Dienste der MD-83 anbieten zu
können. Wir glauben, daß die MD-83 mit ihrem großen Komfort (nur 114
Sitzplätze) und den Zusatztanks für die Reichweite alle Ansprüche erfüllen
wird.
Flugbetriebsaufnahme
German
Wings begann mit ihrem Flugbetrieb am 10.04.1989. Innerhalb einer kurzen
Zeit bot German Wings 27 werktägliche Flüge zwischen München, Frankfurt,
Köln, Hamburg und Paris an. Der angebotene Bordservice in den überaus
komfortabel konfigurierten MD-83 soll überdurchschnittlich gut gewesen sein
und dies zu nahezu identischen Preisen wie bei Lufthansa. Hier wurde
deutlich, daß German Wings nicht unbedingt durch niedrigere Preise der
Lufthansa schaden wollte - eher war German Wings um eine Koexistenz bemüht.
German Wings soll verschiedenen Angaben nach eher nachteilige Slots erhalten
haben, die wenig attraktiv für (die wichtigen) Geschäftsleute gewesen sein
sollen. So kam es, daß sich German Wings einerseits recht schnell einen
guten Ruf hinsichtlich der Freundlichkeit ihrer Kabinenbesatzungen und
Bordservice erwarb, andererseits aber die Auslastung sehr zu wünschen übrig
ließ.
Oben: Werbepostkarte
von German Wings/Courtesy: McDonnell Douglas
Die Auslastung lag systemweit bei 29-33% und diese Werte reichten
nicht zur Kostendeckung der Flüge. Zusätzlich kam hinzu, daß nach nur
wenigen Wochen Einsatzzeit der Fluglinie zum Beispiel das Geschirr und
Besteck ausging, da Fluggäste das Serviceniveau falsch verstanden und
Utensilien klauten. Dadurch musste der Service etwas eingeschränkt werden,
bis Ersatz beschafft werden konnte.
"Wir haben
nicht vor, der Lufthansa Passagiere wegzunehmen"
Lufthansa gefiel ganz offensichtlich
überhaupt nicht, daß ein Konkurrent in ihrem Monopolmarkt operierte und
anstatt dies als Ansporn für eigene Verbesserungen anzunehmen, verhält sich
Lufthansa eher so, wie es sich für eine staatliche Fluggesellschaft gehört(e). Der
Einfluss der Lufthansa war
(auch im Falle von Linienflügen der Aero Lloyd) aber derart negativ, so daß
German Wings wohl in ein Wespennest gestochen hatte. Die zuerst vier MD-83
wurden um weitere zwei MD-83 ergänzt und die vorhandenen Frequenzen erhöht.
Die
Flotte bestand aus somit sechs MD-83, bevor alle "Rettungsversuche" fehlschlugen
und German Wings nach knapp einem Jahr ihre Liniendienste einstellen musste.
German Wings
ging am 30.4.1990 in den Konkurs. Zuvor soll es Gerüchte über einen Einstieg
von SAS und British Airways gegeben haben. Es sei erwähnt, daß bei German
Wings stark der Eindruck entstand, daß Lufthansa mit allen legalen und
weniger legalen Mitteln versuchte, der Rivalin das Leben sehr schwer zu
machen.
Name lebt
nun als "germanwings" weiter
Der Name soll dann von Lufthansa gekauft worden sein und so
kam es, daß Lufthansa für
den Eurowings -"Billigableger" den Namen "germanwings" wieder aus dem Sarg
holte.
Somit misslang Anfang der 90er Jahre auch der Versuch von German Wings, eine
Alternative zur Lufthansa zu werden, aber für Lufthansa ist dieser Name gut
genug, um ca. 15 Jahre später den gekauften Namen anderweitig nutzen und es
ist möglicherweise einer jungen und "hippen" Kundenschar gar nicht bewußt.
Seatingchart:
Für Informationen über "germanwings", klicke bitte hier:
Diese Seite
wurde am 19.03.2007 aktualisiert.
Sämtliche
Texte (ausgenommen Zitate) sind von mir verfasst worden und dürfen NICHT
anderweitig verwendet werden.
IMPORTANT:
This is a complete non-profit
website and it is not associated with Boeing nor any other commercial
organizations. It has been built exclusively for MD-80 enthusiasts and
anything posted here may not be used for any commercial purposes.