... und die vergebliche
Suche nach Antworten auf den extreme Abneigung
MD-82/Courtesy
and Copyright: md80design
Wie kaum ein
anderer Flugzeugtyp einer großen US-Fluggesellschaft - sieht man von den Douglas
DC-9 der Northwest Airlines ab - wird die MD-80-Flotte von American Airlines in
einigen bekannten und sehr populären Luftfahrtforen negativ kritisiert,
bewertet, angeprangert und dies mitunter in einer sehr bösartigen Form.
Unmissverständlich werden in oft plumper Art und Weise erhebliche Defizite bei
der MD-80 genannt. Die Boshaftigkeit ist selbst durch objektive Richtigstellung
bestimmter Fakten nicht zu entschärfen. Dennoch widmet sich diese Seite
ausschließlich mit diesem Phänomen, welches stellvertretend für die MD-80 ist,
aber bei American Airlines und ihren Super 80 sehr deutlich wird.
Hauptargumente gegen die MD-80
Unzählige
negative Kritik gibt es gegen den Einsatz der "Super 80". Hier seien nur die
häufigsten Kritikpunkte erwähnt:
- die Kabine
sei "laut"
- die MD-80
sei ein "Albtraum für Flugbegleiter, zu eng und zu lang"
- der
"Passagierkomfort ist sehr schlecht"
- die "Kabine
sei zu eng, die 2+3-Konfiguration eine Zumutung"
- American
Airlines hat mit diesem Flugzeugtyp einen Wettbewerbsnachteil
- die Flotte
sei alt - zu alt
- das Muster
wird den heutigen Bedürfnissen nicht gerecht
- die "Super
80" bietet kein IFE
- die MD-80
sei unsicher
und
würde "erhebliche Nachteile für den Passagier" im Vergleich zur Boeing 737NG und
A320-Familie aufzeigen.
Frühe Aufnahme einer Super
80/Courtesy: McDonnell Douglas
Hier meine
subjektiven
Ausführungen zu den Kritikpunkten:
Kabine zu
laut
Abhängig von
der individuellen Kabinenkonfiguration ist es eine Tatsache, dass die
MD-80-Serie gegenüber der A320 und Boeing 737 für die meisten Passagiere eine
leisere Kabine bietet. Einzig im hinteren Bereich (Hecktriebwerke) ist der
Geräuschpegel überdurchschnittlich hoch, wobei frühe A320 einen ähnlich hohen
Geräuschpegel aufwiesen und diverse Fluggesellschaften sich offiziell enttäuscht
zeigten, dass ihre vormals eingesetzten "727-200 leiser wären". Es entbehrt
jeder Grundlage, der MD-80 eine lautere Kabine zu unterstellen. Der vordere Teil
der Kabine (inklusive des Cockpits) ist sogar so angenehm leise, dass sich
Piloten während des Fluges ohne Headsets mit Bodenstationen unterhalten können
und nur minimale Windgeräusche die Hauptgeräuschquelle sind. Dies liege an der
aerodynamischen Form der Bugnase.
Siehe bitte auch: "Geräuscharmut der MD-80"
Für
Flugbegleiter ein Alptraum
Selbstverständlich konnte, kann und wird die MD-80-Serie niemals bei allen
Flugbegleitern auf eine identische Meinung stoßen. Glaubt man den schon militant
wirkenden Gegnern der MD-80, dann muss es für Flugbegleiter mit reinen
MD-80-Flotten oder großen MD-80-Teilflotten wirklich eine Qual gewesen sein, an
Bord dieses Musters gearbeitet zu haben oder auf diesem Muster aktuell Dienst zu
schieben...
Häufigste
Kritikpunkte sind die geringe Kapazität der Gepäckfächer, die kleinen Bordküchen
und die Länge der Kabine.
Gepäckfächer
und Bordküchen zu klein
Mit diesem
Vorwurf mögen die Kritiker sogar recht haben und meine Antwort dazu ist, dass
ich bisher noch keinen einzigen Flug auf diversen Flugzeugtypen erlebt habe, wo
ich nicht den Eindruck gewinnen durfte, dass die Gepäckfächer unabhängig vom
Flugzeugtyp nahezu immer zu klein sind. Dies mag u.a. daran liegen, dass sich
das Passagierverhalten in den letzten vielleicht 20 Jahren derart heftig
verändert hat und Handgepäck im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Dimensionen
angenommen hat und es ab und zu verwunderlich ist, was alles als "Handgepäck"
bezeichnet wird. Die MD-80 erfuhr produktionsseitig einmal eine
Veränderung der Gepäckfächer mit gleichzeitiger Vergrößerung des Volumens pro
Passagier.
Siehe bitte auch: "Kabinenquerschnitt der MD-80-Serie"
In den
letzten Jahren haben diverse Fluggesellschaften damit begonnen, in ihren MD-80
neue Gepäckfächer einzubauen bzw. die vorhandenen Gepäckfachtüren durch neue
Versionen zu ersetzen. In beiden Fällen wuchs das Volumen an. Tatsächlich bieten
sogar die Super 80 von American Airlines entweder pro Fluggast oder/und auch n
der Gesamtheit und in den Abmessungen sogar leicht größere Gepäckfächer als die
737-800. Dies wurde von einem Flugbegleiter der American Airlines einmal während
einer hitzigen Diskussion über die MD-80 geschrieben.
Ein weiterer
Kritikpunkt sind die oft als zu klein beschriebenen Bordküchen. tatsächlich sind
die Standardgalleys der MD-80 eher klein und sind auf das Notwendigste
beschränkt. Es ist richtig, dass es schon ziemlich eng zugehen kann, wenn zwei
Personen des Kabinenpersonals gleichzeitig in der vorderen oder hinteren Galley
arbeiten. Abhilfe haben einige MD-80-Betreiber (darunter Delta und Iberia)
geschaffen, die ihre MD-88 bzw. MD-87 mit größeren hinteren Bordküchen
ausstatteten und diese Galleys sind so breit wie eine Dreier-Sitzreihe.
Siehe bitte auch: "Bordküchen der MD-80-Serie"
Kabinenlänge
für das Kabinenpersonal unpopulär
Auffallend
häufig wird die Kabinenlänge der MD-80 ebenfalls als Grund für die mangelnde
Popularität des Musters bei Flugbegleitern genannt. Flugbegleiter müssten viel
längere Strecken durch die Kabine schreiten und deshalb sei - glaubt man
Fachartikeln - die z.B. die Boeing 737-800 oder Airbus A320 erheblich
angenehmer. Dies verwundert mich zumindest, da z.B. die Kabine der 737-800 nur
76 cm kürzer ist als die 30,78 m Kabine der MD-80 ist, während die Kabine der
A320 mit 27,51 m tatsächlich um knapp über 3 m kürzer ausfällt. Die A321 weist
nebenbei eine Kabinenlänge von 34,44 m auf, die A319 eine Länge von 23,77 m und
die A318 eine Kabinenlänge von 21,38 m. Als Orientierungspunkt sei auch die
Kabinenlänge von 24,95 m für die MD-87 erwähnt.
Siehe bitte auch: "Kabine der MD-80-Serie"
Siehe bitte auch: "Kabinenlängen im Vergleich:
Passagierkomfort - manchmal unzumutbar
Der (nicht?)
vorhandene Passagierkomfort der MD-80 wird oft kritisiert. Diese Kritik ist oft
eine Kombination aus mehreren Faktoren: geringer Kabinendurchmesser,
2+3-Konfiguration, niedrige Gepäckfächer und ein beengtes Gefühl. Nun hängt
Passagierkomfort einerseits vom Flugzeugtyp, aber noch viel stärker davon ab,
wie eine Fluggesellschaft ihre Flugzeuge konfiguriert. Die bewusst von McDonnell
Douglas gewählte 2-3-Konfiguration für ihre Schmalrumpfflugzeuge wurde bis zum
Ende des Herstellers als die für den Fluggast vorteilhaftere Konfiguration
gegenüber 3+3 abgesehen.
Siehe bitte auch: "2-3 oder 3-3-Konfiguration?"
American
Airlines hat mit diesem Flugzeugtyp einen Wettbewerbsnachteil
Tatsache
ist, dass die MD-80 im Vergleich zur Airbus A320 oder Boeing 737-800 einen
höheren Kerosinverbrauch aufweist und auch einen deutlich stärkeren Fluglärm
erzeugt. Viele sehen dies als gewaltigen wirtschaftlichen Nachteil für American
Airlines und die Fluggesellschaft hat dies auch mehrfach offiziell bestätigt.
Sogar bekannte und renommierte Fachzeitschriften nehmen sich dem Thema des
Kerosindurstes der MD-80 an und zitieren Manager, die der MD-80 von Jahr zu Jahr
einen höheren Durst attestieren. War einst der Verbrauch - abhängig von der
Fluggesellschaft und Berechnungsgrundlage - mit 2900 bis 3200 Litern pro Stunde
angegeben worden, so liegt der Wert mittlerweile bei einem Betreiber bei 4600
Litern und vielleicht kommt eines Tages der Zeitpunkt, wo die MD-80 mit 5400
Litern ungefähr den Wert der 727-200 erreichen wird.
Interessant
mag auch die Tatsache sein, wie sehr sich - glaubt man den Medien - die
Wirtschaftlichkeit und dies unabhängig von steigenden Kerosinkosten von Jahr zu
Jahr verschlechtert. Wurden noch Ende der 90er Jahre realistische Werte von 10
bis 14% höherer Wirtschaftlichkeit der A320 gegenüber einer MD-83 bei den
Betriebskosten angegeben, so liegt der Unterschied heute oft bei 30 bis 40%.
Auch scheint es mittlerweile keinen Unterschied mehr zwischen DC-9-30 und einer
MD-80 zu geben. Beide Muster sind unter dem Strich gleich unwirtschaftlich, die
MD-80 somit genauso ineffizient wie eine DC-9. Dies erscheint in dieser Form
unlogisch. Die MD-80 weist als Derivat niedrigere Kosten pro Sitzplatz bei
leicht gestiegenen Gesamtbetriebskosten auf. Wäre dies nicht so, dann hat
McDonnell Douglas diese Tatsache bei gestreckten Derivaten nicht genutzt. Da
jedes zweistrahlige Modell der DC-9 (außer DC-9-20), MD-80/-90 und Boeing 717
gestreckte Versionen der DC-9-10 darstellen und technologische Entwicklungen
parallel Einzug hielten, darf man stark annehmen, dass es McDonnell Douglas sehr
wohl gelang, durch gestreckte Varianten Modelle anzubieten, die stetig gesunkene
Kosten pro Passagier anboten. Selbst die MD-87 (als gekürzte MD-80 etwas kürzer
ausfallend als die DC-9-50, aber etwas länger als die DC-9-40) und die Boeing
717 (oft und nicht richtig als verkürzte MD-90 bezeichnet und dabei
nahezu fast genauso lang wie eine DC-9-40) bieten für ihre Profile eine höhere
Wirtschaftlichkeit als ihre jeweiligen Ur-Vorgänger.
Gibt es
Vorteile?
Gerne im
Keim erstick werden aber auch nicht zu übersehene "Wettbewerbsvorteile" durch
den Einsatz einer derart großen MD-80-Flotte.
Erwähnt
seien hier die signifikante Flottengröße, die langjährige Erfahrung der
Fluggesellschaft mit der "Super 80", die sehr hohe Zuverlässigkeit der Flotte
(auch wenn oft eher von unzumutbarer Unzuverlässigkeit berichtet wird) und die
nicht zu unterschätzende Tatsache, dass die Flotte größtenteils längst
finanziell angeschrieben sind und dadurch bestimmte Kapitalkosten schlicht nicht
mehr anfallen. So weist sicherlich die Boeing 737-800 bei American Airlines pro
Flug eine höhere Wirtschaftlichkeit auf. Ein (wenngleich nicht zu 100% zu
übertragender) Vergleich mit der SAS bietet sich an, die sich u.a. mit diesem
Statement Aufmerksamkeit generierte:
"Efficient maintenance,
low capital costs and good technical performance
make the seat cost of an MD-80 highly
competitive in relation to, for example, a Boeing
737. However, the fuel consumption of an MD-80
is somewhat higher than other newly manufactured
types of aircraft, and the Group’s calculations
show that the cost per seat is the same as
for a Boeing 737-700..." Courtesy: SAS
Tendenziell
dürfte es bei American Airlines ähnlich sein. Die riesige MD-80-Flotte
verbraucht zwar pro Flug mehr Kerosin als die 737-800, aber die anderen
Kostenfaktoren kompensieren teilweise die Nachteile der MD-80 bzw. (noch auf
absehbare Zeit) die Vorteile der 737-800. Einst sah American Airlines eine gute
und kostengünstige Möglichkeit darin, parallel Boeing 727 und MD-80 einzusetzen,
da die 727 finanziell abgeschrieben waren und selbst mit drei Triebwerken und
drei Cockpitmitgliedern konnte ein gewinnbringender Betrieb erzielt werden. Die
Kostenexplosionen beim Kerosin 1973 und 1982/83 führten zum Umdenken bei
Fluggesellschaften und auch neuen Maßstäben. Dennoch wurde die 727 selbst Ende
der 90er Jahre (als der finale Ersatz der verbliebenen 727-200-Flotte
schrittweise forciert wurde und ihren Abschluss im April 2002 fand) eher
"liebevoll" als durstiges Flugzeug betitelt und erheblich weniger Kritik an der
727 in der Gesamtheit geübt, wie dies bei den "Super 80" der American Airlines
seit nun ca. 6 Jahren der Fall ist. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht
lautstark nach Ersatz gerufen wird, während man von der Fluggesellschaft selber
relativ selten etwas hört, obwohl logischerweise sich American Airlines Gedanken
um die Zukunft der MD-80-Flotte macht.
Weitere
Informationen werden hier noch eingefügt, vielen Dank!
Werbung aus den 80er Jahren/Courtesy: McDonnell Douglas
Sämtliche
Texte (ausgenommen Zitate) sind von mir verfasst worden und dürfen NICHT
anderweitig verwendet werden.
IMPORTANT:
This is a complete non-profit
website and it is not associated with Boeing nor any other commercial
organizations. It has been built exclusively for MD-80 enthusiasts and
anything posted here may not be used for any commercial purposes.