



Die McDonnell Douglas MD-95 -
das letzte zivile Design von
McDonnell Douglas

Courtesy: McDonnell Douglas
Mit der
100sitzigen MD-95 wollte sich das Traditionsunternehmen McDonnell Douglas wieder
„als Nummer Zwei“ (hinter Boeing) positionieren und an einstige, sehr
erfolgreiche Zeiten anknüpfen.
Courtesy: McDonnell Douglas/ Boeing
Ende
1994 wurde auf einer Konferenz von McDonnell Douglas in Berlin die MD-95 den
europäischen Fluggesellschaften vorgestellt. Der
Hersteller betonte, daß die MD-95 besonders auf die Anforderungen der
europäischen Luftverkehrsgesellschaften zugeschnitten ist, die ersten Anregungen
für die MD-95 aus Europa kamen, das Feedback durchweg positiv sei und die MD-95
als Ersatz der DC-9 alle europäischen Richtlinien im Bezug auf Lärmausstoß und
Schadstoffemissionen erfüllen würde. Berlin
wurde als Ort der Konferenz gewählt, da der BR715-Antrieb der MD-95 in
Dahlewitz bei Berlin von BMW Rolls-Royce gefertigt werden sollte und somit McDonnell
Douglas den potentiellen Interessenten und Kunden auch gleich vor Ort den
Entwicklungsstand zeigen konnte.
Programmstart der MD-95
Der
Programmstart der MD-95 wurde von drei Aspekten abhängig gemacht. So
sollte sich zuerst das Projekt natürlich rechnen. Hierfür musste die MD-95 natürlich
auf die Anforderungen einer möglichst großen Anzahl von in Frage kommenden Fluggesellschaften zugeschnitten sein,
viele und eigene Marktanalysen berücksichtigt
werden. Außerdem
wurde ein Team von Partnern geschaffen, die für den Bau von bestimmten
Komponenten der MD-95 verpflichtet wurden. Dazu gehörten schon Partner, die bei
früheren Programmen von McDonnell Douglas beteiligt waren und sind, darunter Alenia (große
Teile des Rumpfes), Korean Air (Nasensektion), McDonnell Douglas Canada
(Tragflächen) usw. und nicht zuletzt auch der deutsche Beitrag durch die
Lieferung von Triebwerken. Insgesamt sollten 344 Zulieferfirmen an der MD-95/B717
beteiligt sein. Zuletzt
muss natürlich das Marketing stimmen und massiv für die MD-95 geworben werden.
Der Hersteller hoffte schon damals, erste Bestellungen für die MD-95 oder
wenigstens Absichtserklärungen zu erhalten, aber dies war nicht der Fall.
McDonnell Douglas war aber schon Ende 1994 davon überzeugt, daß die MD-95 ihren Markteinstieg 1998 haben werde.
Das Traditionsunternehmen sah den Markt der MD-95 hauptsächlich als Ersatzmuster für alternde DC-9.
Hier verwies der Hersteller darauf, daß sich alleine in den nächsten 15 Jahren
über die Marktpräsenz von 750 DC-9 „einiges Potential generieren würde“. Viele
DC-9-Betreiber hätten seinerzeit Interesse an der MD-95
bekundet und McDonnell Douglas sah diese Tatsache als „Schlüsselmarkt“ für die
MD-95. Über die möglichen Verkaufszahlen legte sich McDonnell Douglas nicht fest
und der Hersteller konnte sich historisch sowieso nicht sehr darauf verlassen.
So gingen Experten von einem Marktpotential von gerade einmal 50 DC-9 aus und
die DC-9 wurde ja auch mit nur 15 Festbestellungen gestartet. Gebaut wurden 976! Bei der
MD-80 sagten Analysten ein Potential von 150 Flugzeugen voraus und gebaut wurden
dann letztendlich 1191! Alleine
hier zeigt sich, wie falsch die „Experten“ lagen…
Vorteile der MD-95 gegenüber
Konkurrenzmodellen
Den
einzigen Vorteil, den McDonnell Douglas bei der Fokker 100, dem
augenscheinlichen Erzrivalen sah, war der zeitliche Vorsprung.
Gleichzeitig würde sich aber der Vorteil der MD-95 durch den Technologiesprung
einstellen und neue Maßstäbe setzen. Die Verspätung des MD-95-Programms erlaubte
es der Douglas Aircraft Company sogar, einen völlig neuen Antrieb zu wählen. Weiter
verwies McDonnell Douglas darauf, daß die MD-95 exakt auf die Bedürfnisse des
100sitzer-Marktes zugeschnitten sei. Hier
wurde wiederholt die Fokker 100 herangezogen und erklärt, daß ein Flugzeug „für
das jeweilige Anforderungsprofil zu groß oder zu klein ausgelegt sein kann“.
„Fallen
sie am Ende zu klein aus, werden sie nicht in der Lage sein, eine volle Nutzlast
über eine geforderte Reichweite zu transportieren. So liegt die Obergrenze des
Leistungspotentials der Fokker 100 am unteren Ende der Skala unserer MD-95“, so
ein Manager
der Douglas Aircraft Company. Und es
wurde schon damals darauf hingewiesen, daß die A319 (eine verkürzte Version der
A320) zwar sehr leistungsstark sei, aber zu schwer und somit nicht ideal für das
Einsatzprofil von Kurzstrecken abgestimmt ist. Ende
1994 sollte die MD-95 noch in Dallas/Texas endmontiert werden. Diese
Entscheidung führte zu großer Aufregung im Staate Kalifornien, denn es war mit
erheblichen Steuerausfällen zu rechnen. Darum kamen die Verantwortlichen in
Kalifornien später McDonnell Douglas entgegen und der Hersteller entschloss sich
dann, die MD-95 ebenfalls im angestammten Werk Long Beach zu bauen. Zu den
möglichen Kunden der MD-95 verhielt sich der Hersteller eher schweigsam und
doppeldeutig. So wurde
einerseits bestätigt, daß „Korean Air (die Fluggesellschaft und nicht die
Ingenieursabteilung) sehr deutliches Interesse bekunden würde“
und auch „sicherlich SAS zu den potentiellen Kunden gehört“, aber auch die
Leasingfirma ILFC und Traditionskunde Alitalia. Mehr
konnten und wollten Vertreter des Herstellers nicht sagen, nur noch, daß acht
Fluggesellschaften als Erstkunden in Frage kommen könnten.
Zuversicht bei Douglas
McDonnell Douglas war zuversichtlich, daß die MD-95 die MD-Modellpalette nach
unten abrunden und der Hersteller ein echtes Zugpferd kreieren würde. 1994/95
gab McDonnell Douglas ihren Marktanteil (ausgelieferte und bestellte Flugzeuge
eingeschlossen) bei 150-Sitzern mit 50% an. Alleine
der Optimismus, daß mit der MD-90 eine modernisierte Version der äußerst
erfolgreichen MD-80 entstehen und die MD-95 einen modernen 100sitzer
darstellen sollte und die MD-11ER alle Kinderkrankheiten vergessen machten, ließ McDonnell Douglas damals kaum (öffentlich) daran
zweifeln, wieder den zweiten Platz hinter Boeing einzunehmen und mit ihrem guten
Ruf und mit Modellen in drei Kapazitätskategorien wieder Terrain zurück zu gewinnen.
oder wählt...

