Da Lion Air sich zeitweise in den Fachmedien,
Massenmedien wie auch unter Analysten erheblicher Kritik ausgesetzt sah und
sieht, ist auch auf dieser Homepage eine Extraseite eingerichtet, die sich
dem Sicherheitsstandards und möglicher Defizite bei Lion Air widmet. Weder
geht es mir darum, als Laie einen Zustand zu beurteilen, den ich gar nicht
beurteilen kann oder mit dem Finger auf Mißstände etc. hinzuweisen. Vielmehr
ist es mein Versuch, einige vorhandene Informationen zu vermitteln und
Faktoren aufzuzeigen, die möglicherweise zu eventuellen Defiziten im
Flugbetrieb bei Lion Air führten bzw. möglicherweise auch aktuell (?)
führen.
Rasanter Aufstieg
Lion Air hat in den letzten Jahren einen
rasanten Aufstieg aufgezeigt, wurde Erstkunde und Erstbetreiber der Boeing
737-900ER. Lion Air wurde in Südostasien zum größten Betreiber der MD-80.
Tatsache ist, dass Lion Air in ihrer recht kurzen Existenz mehrere Flugzeuge
durch schwere Zwischenfälle und Unglücke verlor. Darunter gehören eine
Boeing 737-200, eine Boeing 737-400 und drei MD-82. Zusätzlich kommen eine
ganze Anzahl von glimpflich verlaufenen Zwischenfällen, die aber in einigen
Fällen zum Verlust des Flugzeugs führten.
Es gibt zahlreiche Vorwürfe, die im
Zusammenhang mit Lion Air fallen. Die mir zugespielten Informationen und
Fotos werden aber hier aus bestimmten Gründen nicht veröffentlicht, da ich
diese persönlich nicht beweisen kann und es in einigen Fällen auch nicht
gewünscht wird und ich dies selbstverständlich respektiere. Es erscheint mir
aber sicher, dass Lion Air in irgendeiner Art und Weise einen Flugbetrieb
aufweist, der schlicht Defizite aufzeigt und normalen Standards im zivilen
Luftverkehr nicht gerecht werden zu sein scheint.
Relativ häufige Zwischenfälle
Erstaunlich scheint zu sein, dass es
Zwischenfälle gibt, die offiziell nicht bekannt wurden, aber im Internet zu
lesen sind. Mehrfach sollen bei Landungen Hecktreppen der MD-80 sich
unbeabsichtigt geöffnet haben. Solche derartigen Zwischenfälle habe ich
bisher nicht gehört. Auch geschah es in der Vergangenheit relativ oft, dass
MD-80 und MD-90 über oder von der Piste gerieten. Sehr oft verliefen diese
Manöver glimpflich und sollen auch lapidar von Lion Air-Mitarbeitern damit
kommentiert worden sein, dass es doch nur "1,5 m von der Piste waren".
Ungewolltes verlassen der Landebahn/Courtesy:
?
Die Anzahl an (durch nicht offizielle
Stellen/Medien) bekannt werdenden Zwischenfällen scheint signifikant zu
sein. Selbst nach Indienststellung neuester Boeing 737-900ER soll es schon
mindestens drei Zwischenfälle mit dem Flottenneuzugang gegeben haben -
teilweise waren und sind Werftaufenthalte anscheinend notwendig gewesen.
Erst am 02.10.2007 soll es abermals bei einer Boeing 737-900ER zu einem
Zwischenfall gekommen sein, wobei beim Startlauf aufgrund von
wahrscheinlicher "falscher Beladung" das Flugzeug bei zu geringer
Rollgeschwindigkeit rotierte und mit dem hinteren Rumpfbereich die Piste
berührte. Der Startlauf wurde abgebrochen und das Flugzeug soll sich zur
Reparatur in einer Werft von Garuda Indonesia befinden. Auch wurde bekannt,
dass auch (wieder) das Muster MD-80 betroffen zu sein scheint. Unbestätigten
Meldungen nach soll es vor einiger Zeit einen Zwischenfalls mit einer MD-83
(PK-LMK) gegeben haben, wo sich "ein Fenster löste" und in das Triebwerk
Nummer 1 geriet. In diesem Zusammenhang gibt es auch unbestätigte Gerüchte,
dass die hintere linke Tür "sich öffnete" und "Fremdkörper" ins
Hecktriebwerk gesaugt wurden.
Unzureichende Sicherheitskultur?
Dies könnte eventuell meiner Meinung nach ein
Indiz für eine unzureichende Sicherheitskultur bei Lion Air sein. Defizite
im Flugbetrieb, am Fluggerät, bei der Materialversorgung etc. wurden und
werden wohl möglicherweise notgedrungen als normal hingenommen und es
entwickelte sich eine Mentalität, die für die Flugsicherheit nicht
förderlich sein kann. Zeitdruck, hohe Arbeitsbelastung, (besonders in Teilen
Asiens) stark ausgeprägtes Hierarchiedenken innerhalb der Mitarbeiterschaft
verschärfen möglicherweise noch die Probleme, die sich dann auf
Kommunikationsebene zwischen den Abteilungen und im Flugbetrieb allgemein
manifestiert und negative Auswirkungen auf die Flugsicherheit haben kann.
Die nach "westlichen Maßstäben" eher
fragwürdige Sicherheitskultur ist sicherlich nicht nur bei indonesischen
Günstigfluggesellschaften zu beobachten, sondern möglicherweise in relativ
vielen Bereichen des indonesischen Verkehrssystems zu beobachten. Bevor
Niedrigpreisfluggesellschaften in Indonesien teilweise völlig neue
Kundenschichten eroberten, waren viele Kunden zuvor und auch sehr
wahrscheinlich weiterhin an Transportwege gewöhnt, wo Sicherheit nicht die
oberste Priorität hatte und hat. Es ist auffallend, dass es leider auf auf
den überaus wichtigen Verkehrswegen zu Wasser schwere Zwischenfälle und
Unglücke gab und gibt.
Übernahme aller bestellten 737-900ER möglich?
Es gibt zahlreiche Berichte über mögliche
Probleme, sämtliche bestellte Boeing 737-900ER zu übernehmen. Mitte 2005 bestellte Lion Air 30
Boeing 737-900ER, vereinbarte Optionen für weitere 30 Exemplare und wurde
somit zum Erstkunden dieser 737-Version, die sich von der 737-900 u.a. durch
Strukturverstärkungen, zwei zusätzliche Notausgänge hinter den Tragflächen
und einer höheren maximalen Sitzplatzkapazität unterscheidet. Außerdem
bietet diese 737-Version eine gegenüber der 737-900 erheblich gesteigerte Leistungsfähigkeit.
Boeing
737-900ER/Courtesy:
Lion Air
Am 18.06.07 wurde dann bekannt, dass
Lion Air weitere 40 Boeing 737-900ER bestellt hat. Bislang wurden bis dato
drei Boeing 737-900ER an Lion Air ausgeliefert und in diesem Jahr (2007) sollen
insgesamt sieben Boeing 737-900ER zur Auslieferung gelangen. Glaubt man
verschiedenen Meldungen, so soll es Probleme innerhalb von Lion Air bei den
Umschulungen von Piloten von MD-80/-90 auf Boeing 737-900ER geben, da der
Hersteller Boeing assistierend bei der Ausbildung von Piloten für die
737-900ER voraussetzt, dass nur Piloten umgeschult werden, die zuvor
Erfahrung auf der Boeing 737-300/-400 sammeln konnten. Falls diese Meldung
stimmen sollte, so spaltet dies die Pilotenschaft der Lion Air in mindestens
zwei Lager, denn es wird MD-80/-90-Piloten von Anfang an keine normale
Umschulung ermöglicht. Es gibt wage Spekulation, was
hinter dieser Auflage von Boeing stecken könnte. Oft kann man lesen, dass
die Boeing 737-900ER eine stark von der MD-80/-90 abweichende
Flugcharakteristika aufweist und es u.a. in den ersten Betriebsmonaten
der 737-900ER bei Lion Air zu drei oder vier Heckberührungen bei Landungen
gekommen sein soll. Als Reaktion assistiert Boeing weiterhin und hat
anscheinend Auflagen erlassen.
Zweifel an finanzieller Stärke?
Nun stellt sich auch recht oft unter
interessierten Beobachtern die Frage, inwieweit Lion Air überhaupt in der
Lage zu sein scheint, mit ihrem aktuellem Konzept tatsächlich fabrikneue
Flugzeuge zu bezahlen. Lion Air´s Konzept (soweit dies überhaupt
durchschaubar ist) basierte bis 2007 bisher u.a. auch auf die Tatsache, dass
man ausschließlich gebrauchte Flugzeuge zu höchst wahrscheinlich äußerst
günstigen Bedingungen erwarb bzw.. leaste. Dazu gehörte die finanziell sehr
günstige Möglichkeit der Expansion im Zeitraum 2002 bis ca. 2004 durch
Einführung von gebrauchten McDonnell Douglas MD-80. Zu diesem Zeitpunkt
waren die Gebrauchtpreise für MD-80 auf einem bisherigen Tiefststand
gesunken, nicht zuletzt durch die Schwemme an MD-80, die sich nach den
Auswirkungen (beschleunigte Ausmusterungen bei Continental Airlines, USAir
etc.) des 11.09.01 ergaben. Lion Air (und dann zumeist nicht erfolgreich
kopiert auch bei anderen indonesischen Fluggesellschaften) sah hier sehr
wahrscheinlich die Chance, zu äußerst günstigen Konditionen mit der MD-80
ein im Vergleich zur häufig in Indonesien eingesetzten Boeing 737-200
erheblich größeres Flugzeug mit leiseren Triebwerken und günstigeren Kosten
pro Sitzplatz zu erhalten. Auch warb Lion Air zu diesem Zeitpunkt mit der
MD-80 als "neues Flugzeug" und nutzte die Tatsache, dass die MD-80 in
Indonesien bis dato ziemlich unbekannt war. Der Einsatz von MD-80 bei Lion
Air sollte sich auch in der ersten Phase medienträchtig recht positiv
gezeigt haben. Mit schneeweißem Rumpf, rotem einprägsamen Löwenlogo
und großem "Lion"-Schriftzug wirkte Lion Air in dieser Entwicklungsstufe als
seriöse Günstiglinie mit dem Vorsatz, die Vorzüge der MD-80 auch effektiv zu
nutzen.
Courtesy: Lion Air
Persönlich erweckte Lion Air zum Zeitpunkt
der Einführung von MD-82 als einer von mehreren neuen Nutzern der MD-80 kein
außerordentliches Augenmerk,
wenngleich mir von Anfang an das damals - oft als sehr einfach
beschriebene - Farbschema sehr zusagt.
MD-80-Kabine/Courtesy:
Lion Air

Die eingeführten MD-80 stammen u.a. aus
Beständen der Continental Airlines, AeroMexico und Korean Air. Diese
Flugzeuge hatten oder haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft
teilweise verschiedene Kabinenauslegungen, verschiedene Gepäckfachversionen
und möglicherweise auch unterschiedliche Auslegungen der Cockpits. Unter den
MD-80 der Lion Air befanden (oder befinden) sich MD-80, die relativ jung
sind, während andere Exemplare Mitte der 1980er Jahre ihren Einsatz
begannen. Lion Air hat in der Anfangsphase recht zügig MD-80 in den
Liniendienst gestellt - so zügig, dass teilweise Flugzeuge mit
Hybridbemalungen unterwegs waren, die noch an den vorherigen Betreiber
Continental Airlines erinnerten.
Zweifel und stark eingebrochenes öffentliches
Vertrauen in die MD-80
Innerhalb einer relativ kurzen Zeit wich
meiner Ansicht nach das zuerst positive Image der MD-80 im Zusammenhang mit
Lion Air einer Häufung von Problemen, überaus fragwürdigen Erlebnissen von
Fluggästen und Unzulänglichkeiten, die den Flugbetrieb von Lion Air
negativ beeinflussten. Auch machten zunehmend und recht schnell die stark
eingesetzten MD-80 einen "abgearbeiteten" Eindruck.
Witterungseinflüsse nagten an den per Folie aufgetragenen Schriftzügen und
am Logo, Bugnasen wirkten oftmals durch Wettereinflüsse geschunden.
Insgesamt darf man anmerken, dass Flugzeuge von Lion Air teilweise in einem
visuell eher schlechten Zustand befinden, wobei Abnutzungserscheinungen
keinesfalls automatisch die tatsächliche Flugtüchtigkeit aufzeigt,
sicherlich aber eine gewisse Einstellung einer Fluggesellschaft gegenüber
ihrem Fluggerät aufzeigen kann. Eventuell erschien der rapide abnehmende
visuelle und operationelle Standard umso stärker, da Lion Air meiner Ansicht
nach forciert am Anfang die MD-80 als mediales Instrument für ein frisches
und neues Image verwendete und dann durch bestimmte Faktoren sich die
Situation umkehrte bzw. kippte.
Zweifel am indonesischen zivilen Luftverkehr
So farbenfroh und artenreich die Vielfalt
indonesischer Fluggesellschaften sind, so zahlreich sind auch zeitweise
Diskussionen über den Sicherheitsstandard bei indonesischen
Luftverkehrsgesellschaften. Somit scheint hier der im Ansatz beschriebene
"Zustand" von Lion Air keinesfalls ein Einzelfall zu sein, sondern
möglicherweise gibt es sogar noch Zustände, die die Verhältnisse bei Lion
Air sogar noch übertreffen - und dies negativ!
Durch den Absturz einer Boeing 737-300 der
Adam Air gelangte eine der Niedrigpreisanbieter Indonesiens weltweit in die
Schlagzeilen und kurzzeitig waren die eklatanten Sicherheitsdefizite der
Fluggesellschaft auch ein Thema. In den Schockwellen nach dem Unglück
zeigten sich Zustände auf, die eigentlich schon (leider) bekannt waren und
dies Monate zuvor. Anscheinend und sehr wahrscheinlich setzte Adam Air
Flugzeuge ein, die schlicht nicht mehr lufttüchtig waren, von Piloten
gesteuert wurden, die derart unter Druck gesetzt wurden, diese Flüge
durchzuführen. Ansonsten drohten ihnen Sanktionen. Im Internet gibt es
zahlreiche Quellen, wo man haarsträubende Geschichten lesen kann und selbst
wenn man 50% abzieht, so zeigen sich Mängel, die nicht akzeptabel sein
können. Adam Air scheint Flugzeuge regulär eingesetzt zu haben, die ohne
Wetterradar, nicht funktionierende Navigationsinstrumente etc. Linienflüge
durchführten. In mindestens einem Fall verloren die Bodenstellen sogar den
Kontakt zu einem Flugzeug der Adam Air, der dann Stunden später eine
Notlandung gelang, weit weg vom eigentlichen Flugweg.
Die indonesische Luftfahrtbehörde hat erste
Schritte zur Verbesserung eingeleitet. Ein Problem könnte aber starke
Korruption sein, denn es verwundert sehr, dass einige derart marode
Fluggesellschaften weiterhin unterwegs sein dürfen, während manch andere
nicht mehr abheben darf. Politischer wie wirtschaftlicher Einfluss verzerren
oft das Bild und spiegeln nicht den wahren zustand manch einer
Fluggesellschaft wider.
Garuda und Merpati - weiterhin die sicheren
Fluggesellschaften
Mit großer Wahrscheinlichkeit darf man
annehmen, dass die bekannten Fluggesellschaften Garuda Indonesia und Merpati
Nusantara Airlines einen akzeptablen Sicherheitsstandard aufweisen und sich
auch international messen könnten. Zwar wurde seitens der EU die Garuda
ebenfalls auf die "Schwarze Liste" gesetzt, aber aus verlässlichen Quellen
konnte man erfahren, dass es nicht technische Defizite sind, sondern Garuda
Indonesia bis zum Meldeschluss vereinfacht ausgedrückt nicht die
erforderlichen Dokumente, Zertifikate und Unterlagen der EU überreichte.
Tatsache ist, dass Garuda wie Merpati im
Vergleich zu anderen vergleichbaren Fluggesellschaften in ihrer Geschichte
erheblich mehr Flugzeugtotalverluste erlitten hat als der Durchschnitt. Dies
mag erschreckend erscheinen. Andererseits wäre es nicht falsch, würde man
die einzelnen Unglücke genauer untersuchen und dann feststellen, wie oft
z.B. Flugzeuge von Merpati unter teilweise widrigsten Wetterumständen
verunglückten. Ob man dies hätte verhindern können, steht auf einem anderen
Blatt. Hier Maßstäbe zu setzen, wäre meinerseits verfehlt. Würde man hierbei
deutsche Maßstäbe setzen, dann würden viele Flughäfen gar nicht ans nächste
regionale Zentrum angeschlossen werden. Der indonesische Flugverkehr hat
nämlich eine teilweise ganz andere und viel wichtigere Rolle zu erfüllen als
ein Linienflug zwischen Hamburg und Frankfurt. Indonesien ist ein Land,
welches oftmals nur über Seewege und über Luftwege verknüpft ist.
Auch möchte ich mich nicht in polemischer und
meiner Ansicht nach arroganter Art und Weise herablassend äußern. Leider
geschieht dies in der Presse recht schnell, ohne auch vielleicht darüber
einen Gedanken zu verlieren, welcher Cocktail an Faktoren eventuell dazu
führte, dass es zu einem Unglück kam. Sehr vorschnell wird geurteilt und
verurteilt, oft dann mit bittersüßem Klopfen auf die eigene Schulter - dies
ist in vielen Kulturen verpönt und unverschämt...





