



Sitzmeilenkosten
Niedrige Sitzmeilenkosten sind ein sehr wichtiges Kriterium bei der Wahl eines
Flugzeugtyps. Die
"Sitzmeile" bestimmt mehr oder weniger das Denken von Luftfahrtmanagern. Die
Sitzmeilenkosten geben die finanziellen Aufwendungen an, die erforderlich sind,
um einen Fluggast eine Meile weit zu befördern. Die
Sitzmeilenkosten unterliegen verschiedenen Faktoren und können je nach
Streckenlänge und Routenprofil, Sitzplatzanzahl, Kostenstruktur des Betreibers
und Flugdurchführung höher oder niedriger ausfallen.

Oben: MD-87 der JAS in
Tokyo - Haneda/ Courtesy: JAS?
Natürlich spielt auch der eingesetzte Flugzeugtyp eine Rolle. Natürlich kann man
einerseits sagen, daß ein Flugzeug mit größerer Sitzplatzkapazität, auch
niedrigere Kosten pro Passagier haben sollte. Das ist nur teilweise richtig,
denn man sollte nicht vergessen, daß ein großes Flugzeug mit vielen Sitzplätzen
auch erheblich höhere Gesamtbetriebskosten aufweisen kann. Beim Konzept der
MD-80 ging es dem Hersteller darum, die Sitzmeilenkosten im Vergleich zum
Vorgängermodell DC-9 deutlich zu senken.

Die erste MD-83
von Aero Lloyd/ Courtesy: Aero Lloyd
Diese
Forderung wurde auch erreicht und alle Versionen der MD-80-Serie können zu
günstigeren Kosten eingesetzt werden und erzeugen dabei aber nur unwesentlich
höhere Kosten bei gleichzeitig erheblich höherer Ertragsmöglichkeit, als der
Einsatz von DC-9. Die MD-80 ist als Kurz- und Mittelstreckenflugzeug konzipiert
worden und deshalb bietet die MD-80 grundsätzlich auch in diesem Segment
„Idealwerte“. Allgemein kann man sagen, daß die Sitzmeilenkosten einer MD-80 auf
sehr kurzen Strecken verhältnismäßig hoch sein können. Das ist bei Flugzeugen dieser
Kategorie aber normal. Gründe
hierfür können sein, daß ein Flugzeug ihre optimale Reiseflughöhe nicht erreicht
und sich der Flug im Grunde nur aus einem sehr kostenintensiven Start und
Steigflug und einer zeitaufreibenden Landephase zusammensetzt, die Lande- und
Abfertigungsgebühren aber nicht proportional sinken. Auf
längeren Flügen kann eine MD-80 deutlich treibstoffsparender fliegen. Hier kann
die Besatzung unter günstigen Bedingungen die optimale Reiseflughöhe in Anspruch
nehmen. Die Kosten für die Abfertigung am Boden, verbrauchtem Kerosin und
Landegebühren (um nur einige zu nennen) können erheblich besser mit der höheren
Wirtschaftlichkeit kompensiert und verrechnet werden. Da aber
eine MD-80 für Strecken über 4000 Km nicht unbedingt geeignet ist, aber einige
Versionen der MD-80 durchaus auch längere Routen durchführen können, steigen bei
sehr langen MD-80-Flügen die Kosten wieder an. Die
Tragflügel einer MD-80 sind nicht unbedingt für Langstrecken konzipiert worden,
denn hier legte McDonnell Douglas richtigerweise eher Wert darauf, daß die MD-80
über gute Eigenschaften beim Start, Steigflug, Landeanflug und bei der Landung
hat. Die
Kosten für jede Flugstunde kostet Geld und es wird unter Umständen der Punkt
erreicht, wo die Betriebskosten durch die Anzahl an beförderten Passagieren und
die gezahlten Flugpreise unter dem Strich keinen Gewinn mehr übrig lässt. So sind
fast 6-stündige Flüge mit einer MD-80, abgesehen von operationellen Aspekten,
hart an der Grenze der Möglichkeiten und es ist wahrscheinlich, daß eine
identische MD-80 innerhalb von 6 Stunden, durch 4 Flüge mit kürzerer Flugzeit
deutlich mehr Gewinn einfliegen kann oder zumindest die Kosten besser deckt. Einfach
dargestellt, sinken die Sitzmeilenkosten bei einer MD-80 mit steigender Flugzeit
und Fluglänge, erreichen „Idealwerte“ bei Flugzeiten ab 60 Minuten bis zu einer
Fluglänge von schätzungsweise 4 Stunden und steigen danach wieder an. Ist
eine Strecke länger als 350 Km, so liegt die optimale Reiseflughöhe einer MD-80
bei 35000 ft (10650 m). Die
maximale Reiseflughöhe der MD-80 liegt bei 37 000 ft (11212 m), die bei längeren
Flügen favorisiert wird. In
diesem Zusammenhang ist es wichtig, daß sich der Flug durch einen
wirtschaftlichen Steig- und Anflug auszeichnet. Durch
ausgeklügelte Kostenertragssteuerung kann eine Fluglinie ihre MD-80 auch auf
Flügen von unter 30 Minuten oder/und über 5 Stunden profitabel einsetzen. Es
liegt somit auch in den Händen eines Betreibers, ob eine MD-80 mit Gewinn fliegt
oder Verluste erzeugt. Dennoch
scheint es auch Fakt zu sein: Mit der zivilen Luftfahrt wurde insgesamt gesehen
nie schnell Geld gemacht.

Alle
Gewinne und Verluste seit Beginn der kommerziellen Luftfahrt aufgerechnet, hat sich das Flugzeug sogar als Minusgeschäft
erwiesen.


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