



Triebwerke der McDonnell Douglas
MD-80
Für den
Antrieb der neuen DC-9 Super 80 (MD-80) wählte McDonnell Douglas das Pratt & Whitney
JT8D-200. Die
-200 Serie basiert auf dem älteren JT8D-9 mit einem erheblich verbesserten
Niederdruck-Kompressor und einer gründlich überarbeiteten Turbinensektion und es kam
zuerst exklusiv nur bei der MD-80-Serie zum Einsatz. Die
ältere zweistufige Fansektion wurde durch eine einstufige Einheit mit einem
Durchmesser von 1,25 m ersetzt. Das Bypass-Verhältnis konnte somit auch von 1.0
bei dem JT8D-9 auf 1.7 bei dem JT8D-200 erhöht werden. So
konnte besonders der Lärmpegel beim Start deutlich reduziert und die
Umweltverträglichkeit und Leistungsfähigkeit erheblich verbessert werden. Eine
genauere Erklärung folgt noch.
Jedes zweistrahlige, moderne Verkehrsflugzeug muß in der Lage sein, auch mit nur
einem arbeitenden Triebwerk sicher abzuheben. Hier macht die MD-80
logischerweise keine Ausnahme. Aus diesem Grunde ist die MD-80 im Grunde völlig
überpowert, wobei im Normalbetrieb die Triebwerksleistung nicht ausgereizt wird
und somit die MD-80 über sehr hohe Reserven verfügt. Das JT8D-209 hat einen
Lärmteppich von nur noch 2,5 Quadratkilometern. Damit war die MD-81 seinerzeit
das leiseste Flugzeug ihrer Klasse. Bisher (Stand: Mitte 2002) haben alle
JT8D-200 insgesamt 50 Millionen Flugstunden absolviert. Einerseits zeigt sich im
Alltag und auch anhand des langjährigem Einsatzes dieses Triebwerkmodells, daß
die Zuverlässigkeit überaus groß ist.
Fluglärmreduzierung
Die
MD-80 reduzierte den durch den Fluglärm betroffenen Bereich der Ab- und
Anflugschneisen von Flughäfen mit Hilfe des JT8D-200 gegenüber älteren Flugzeugtypen auf ein Fünftel! Das
sollte bei aller Kritik im Bezug auf die „laute“ MD-80 erwähnt werden.
Leider geht in der Diskussion über Fluglärm sehr oft unter, daß seit Jahren zum
Teil sehr komplexe Startprozeduren zur Vermeidung der Fluglärmbelastung über
Wohngebieten existieren. So
kommt es vor, daß es notwendig ist, mit voller Leistung abzuheben und
kurzfristig mit circa
20 Grad Steigwinkel den Steigflug durchzuführen. Kurz
darauf könnten weitere Anweisungen folgen und die Cockpitbesatzung muß sich
strikt an festgelegte Kurven halten und dabei mit möglichst gedrosselter
Triebwerksleistung (noise-abatement-procedures) so schnell wie möglich den Steigflug fortsetzen oder auf
weitere Anweisungen warten. Manch
ein "Standardmanöver" (Standard Instrument Departure (SID)) führt dazu, daß
Flugzeuge mehr oder weniger ihren gedrosselten, aber steilen Steigflug sehr nahe
an der Abrissgeschwindigkeit bewerkstelligen. Diese
komplexen Einschränkungen dienen dem Lärmschutz, erhöhen aber die Flugsicherheit
nicht unbedingt.
In
kritischen meteorologischen Situationen könnte die volle Triebwerksleistung
fehlen und es wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Flugzeuge beim
Start durch starke vertikale Windscherung auf dem Boden gedrückt. Das
Verhältnis zwischen der durch den Fan in die Brennkammer geführten und der an
der Brennkammer vorbeigeführten Luft, wird als By-pass-Verhältniss bezeichnet. Je
höher das By-pass-Verhältniss ist, um so positiver zeichnen sich die Vorteile
eines solchen Triebwerks aus. Das JT8D-200 der MD-80 zeichnet sich durch
ein gutes Nebenstromverhältnis aus. 2/5 der
angesaugten Luft wird zur Verbrennung des Kerosins verwendet, während die
restliche Luft (3/5) nach der ersten Kompressorstufe direkt zum Triebwerksausgang
geführt wird und hier den heißen Schubstrahl umschließt. Dadurch
konnte eine erhebliche Lärmminderung gegenüber älteren Flugzeugtypen erreicht
werden. Es ist
eher unwahrscheinlich, daß Flugzeuge in naher Zukunft noch erheblich leiser
werden.
Vielen
ist nicht bewußt, daß zum Beispiel im Landeanflug der Lärm hauptsächlich durch
das ausgefahrene Fahrwerk und die ausgefahrenen Landeklappen erzeugt wird. Durch
den hohen Luftwiderstand muß andererseits der Schub erhöht werden, damit eine
sichere Anfluggeschwindigkeit gewährleistet werden kann. Viele
Flughäfen haben aus diesem Grund ein Verfahren übernommen (in Frankfurt
von Lufthansa entwickelt), daß ein späteres Ausfahren der Landeklappen vorsieht. Dadurch kann
der Lärm reduziert werden und der erforderliche Schub kann somit auch verringert
werden. Dieses Verfahren wurde vielfach übernommen. Das
JT8D-209 ist für einen Schub von 19250 Kilopond ausgelegt. Im
Flugbetrieb ist der Schub auf 18500 Kilopond reduziert und diese Tatsache erhöht
die Lebensdauer des Aggregats erheblich und trägt zu einer deutlich höheren
Wirtschaftlichkeit bei. Mit der
MD-80 wurde (optional?) mit einem ART- (Automatic Reserve Thrust) installiert. Fällt
ein Triebwerk aus, dann erhöht das System den Schub des verbliebenen Triebwerkes
um 750 Kilopond. Die MD-80 kann dann mit einer besseren Leistungsreserve in
einen (flacheren) Steigflug übergehen und alle Vorbereitungen für eine
Notlandung treffen. Das
System wird automatisch beim Ausfahren der Vorflügel aktiviert. Dieses System
scheint nur optional zu sein, denn nach mir vorliegenden Informationen hatte SAS
dieses System nicht bestellt, aktivierte sich aber automatisch in den wenigen Sekunden vor
einer Bruchlandung einer MD-81 Ende 1991, d.h. SAS wusste nichts von der
Existenz dieses Systems und McDonnell Douglas installierte es einfach...
Modifikationspaket für das JT8D-200?
Pratt & Whitney arbeitet unbestätigten Informationen zufolge intensiv an einem
Modifikationspaket für das JT8D-200. Es ist
im auch Interesse des Triebwerksherstellers, daß sie ihr Monopol an der
MD-80-Serie betreut und für Chapter 4 aufrüstet. So soll
alleine der Ausstoß an Ruß um 52 % reduziert werden! Der
Treibstoff soll noch effektiver genutzt, dadurch der Verbrauch gesenkt und die
Leistung noch weiter optimiert werden. Der
durchschnittliche Treibstoffverbrauch wird mit 2700-2900 Liter
Treibstoff für eine MD-87 und ca. 3250 Liter bei einer MD-83 angegeben.
Diese Angaben sind NICHT
gesichert und unterliegen Schwankungen je nach Einsatzprofil.
Es ist generell sehr
schwierig, ein schon ausgereiftes Triebwerk noch weiter zu verfeinern und
eventuell bei verringertem Verbrauch noch ein paar Kilopond Schub herauszuholen.
Modifikationen haben meistens negative Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit
eines Triebwerkes und können nur durch spürbare Veränderungen umgesetzt werden. Es ist auch eine Lehre
seinerzeit für Boeing gewesen, daß sie das CFM56 für die B737-300 "ganz einfach"
für den Einsatz der größeren B737-400 "hochrechnete" und mehr Schub
herauskitzelte. Dies ging nicht lange gut, denn mehr oder weniger war dies die
Ursache für einen Triebwerksausfall bei einer 737-400 der British Midland.
Versehentlich wurde dann das falsche Triebwerk abgestellt (erschreckend, daß man
es verwechseln konnte und natürlich waren einzig die Piloten schuld und nicht
die Darstellung der Instrumente) und die 737-400 stürzte nur wenige Meter vor
dem Flughafen East Midlands in die Böschung einer Autobahn und es gab viele Tote
zu beklagen.
Deshalb zögern auch
diverse MD-80-Betreiber bei den vollmundigen Planungen von Verbesserungen, denn
es ist nicht ratsam, daß zum Beispiel die Temperatur in den Brennkammern weiter
ausgereizt wird.
Zweifel am JT8D-200?
Zweifel an der Zuverlässigkeit des
JT8D-200 kamen aber auf, nachdem 1996 eine MD-88 der Delta Air Lines in
Pensacola (Florida/USA) ihren Startlauf mit 142 Passagieren und fünf Crew
abbrechen musste, nachdem sich Fanschaufeln des linken Triebwerkes lösten und
wie Geschosse in die hintere Kabine gerieten. Zwei Passagiere wurden durch die
Schaufeln getötet und die MD-88 brach ihren Start ab und es wurde eine
Evakuierung eingeleitet. Es wurde nicht erkannte Materialermüdung als
Unglücksursache festgestellt. Der Hersteller Pratt & Whitney und McDonnell
Douglas gaben zusätzliche Anweisungen für die Inspektion von JT8D-200 heraus und
bisher hat es kein so schwerer Zwischenfall mit Verletzten oder sogar Toten
wiederholt.

McDonnell Douglas

Courtesy: McDonnell
Douglas

Zeitlimit von Schub:
Bei
Start und go-around: 5 Minuten

Bei
Start und go-around mit einem Triebwerk: 10 Minuten

Beim
Triebwerksstart darf zwischen erstmaliger Treibstoffzufuhr und "light-up" eine
Zeitspanne von 5- 20 Sekunden liegen.

Treibstoffverbrauch:
stabilisierter Leerlauf : max. 1100 lb./Std.

normaler Startschub: max. 12566 lb./Std.

Der
Treibstoffverbrauch einer MD-81 liegt bei durchschnittlich 1400 Kg/Triebwerk/pro
Stunde.

Bitte wählt auch:

Triebwerk einer MD-83 der Aero
Lloyd/ McDonnell Douglas
TOKYO - Japan Air System
(JAS), a unit of Japan Airlines System Corp, cancelled 120 domestic flights
on Monday (19.01.04) after it found cracks in engines made by Pratt & Whitney, a
spokesman for the Japan Airlines (JAL) group said.
Pratt & Whitney is a
unit of United Technologies Corp.
The spokesman for JAL,
Asia's biggest airline, said it had discovered cracks in six engines used in
five of the six planes it had inspected. The engines were models JT8D-217A
and JT8D-217C and the planes were DC-9-81s (MD-81) and DC-9-87s (MD-87).
The planes, which have
two engines, were made by McDonnell Douglas, now part of Boeing Co.
The inspections were
prompted by engine vibrations on a plane just before take off on January 6
and a case of engine trouble the following day.
Checks at Pratt &
Whitney's New Zealand factory showed there were cracks in the engines'
compressor parts, the JAL spokesman said.
Japanese aviation
authorities have ordered JAS to check the remaining 19 of the 25 DC-9-81 and
DC-9-87 planes it owns.
The inspections are due
to end by Wednesday.
Pratt & Whitney was not
immediately available for comment.
An industry source said
no other Japanese airlines use the planes powered by the same engines, but
an estimated 2,100 engines of the same models are in use globally.
The DC-9-81 and DC-9-87
planes, which carry between 134 and 163 passengers, are mainly used for
short-haul flights. JAS, which generated 16 percent of the JAL group's total
revenues in the year ended last March, has 57 planes fitted with various
engines and may continue canceling some local flights after Tuesday due to
the inspections and repairs. It could not yet estimate financial impact of
the cancellations, the spokesman said.
Japan Airlines System
was formed in October 2002 in a merger between Japan Airlines and JAS. It
projected late last year it will post a net loss of 65 billion yen ($609.4
million) for the year to March, hit by the fallout from SARS and war in Iraq.
The news appeared to have little effect Japan Airlines' shares, which ended
Tokyo trade up 3.93 percent, outperforming a 1.65 percent rise in the key
Nikkei average.
Aktuellen Meldungen
zufolge scheint das Problem mit den Triebwerken ein "spezielles Problem bei
JAL/JAS zu sein. Andere Betreiber der MD-80 haben ihre Triebwerke ebenfalls
(noch) aufwendiger untersucht und keine Defekte entdeckt. Dies ist zumindest eine
"beruhigende" Meldung, da ein grundsätzliches Problem fatale Auswirkungen
auf die Zuverlässigkeit der MD-80 gehabt hätte.
Die betroffene
MD-80-Flotte von JAL/JAS konnte teilweise wieder in Dienst gestellt werden.
Der Triebwerkshersteller leistet u.a. Hilfestellung bei der Verfügbarkeit
von Ersatztriebwerken, mit denen dann die ansonsten flugtüchtigen MD-80
wieder eingesetzt werden können.
Durch die Untersuchungen
wird bekannt, daß sehr wahrscheinlich eine nicht ordnungsgemäße Wartung der
betroffenen Triebwerke bei einem Wartungsbetrieb in Neuseeland zu den
Defekten an den Antrieben der MD-80 geführt haben.


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