



Courtesy: MD-80.net
Die Traditionsfluglinie
TWA-Trans World Airlines trat am 09.12.1998 als 717-Kunde auf, als bekannt
gegeben wurde, daß TWA 50 717 fest bestellt hat und Optionen für die
gleiche Anzahl in Form einer Absichtserklärung unterzeichnet hat.

Fachwelt
überrascht
Die
Entscheidung von TWA im Dezember 1998, sich zum Kauf für konkurrierende
100-Sitzer der Hersteller Airbus und Boeing zu entschließen, hat unter
Fachkreisen Fragen über die zukünftige Strategie dieser US-Fluggesellschaft
aufgeworfen. TWA unterzeichnete eine Absichtserklärung für 50 Boeing 717-200
mit Optionen für weitere 50 Exemplare mit ersten Lieferungen ab 2000 und
ebenfalls einen Vorvertrag für 50 Airbus A318 zur Lieferung ab 2003. Die
Unterzeichnung für eine verbindliche Abnahme von fünfzig Boeing 717 und 50
Optionen wurde dann am 31.12.1998 unterzeichnet. Der Deal mit Airbus enthält
außerdem Festbestellungen für 25 Flugzeuge der A320-Familie zur Lieferung ab
2005 und Optionen für weitere 75 Flugzeuge der A320-Familie. Zwölf A318
sollten über ILFC angemietet bzw. finanziert werden, die weiteren A318 und
die Boeing 717 würden „über den Hersteller finanziert werden“.
TWA
erklärte ihre Entscheidung zugunsten der A318 und Boeing 717 wegen der
verschiedenen Charakteristika der beiden Flugzeugtypen. Während die Boeing
717 für Kurzstrecken bis 2400 Km optimiert sei, würden mit den neuen 717 die
DC-9 ersetzt werden und ab den Drehkreuzen St. Louis und Kansas City zum
Einsatz kommen. Die A318 biete eine erheblich höhere Reichweite und
ermögliche die Nutzung bis an die Westküste der USA.
717-200/Courtesy: ?
Die
Fluggesellschaft bestätigte, dass die frühe Verfügbarkeit der 717 im
Vergleich zur A318 auch ein Faktor zugunsten des Modells war. Fünfzehn
Boeing 717 sollen 2000 ausgeliefert werden, eine gleiche Anzahl im Jahr
2001, während 2002 zwölf und 2003 acht weitere Boeing 717 zur TWA-Flotte
stoßen sollten.
Auslieferungen der A318 sollten im Jahr 2003 mit elf Exemplaren beginnen und
bis 2006 jeweils pro Jahr elf Flugzeuge ausgeliefert werden und die letzten
sechs Festbestellungen im Jahr 2007 an TWA geliefert werden.
Auslieferungen von weiteren Flugzeugen der A320-Familie – hier wurden A319
und A321 genannt – sollten ab 2005 mit sechs Flugzeugen beginnen, gefolgt
von sieben Flugzeugen 2006 und zwölf Flugzeugen im Jahr 2007. Einige Quellen
besagen, dass mit diesen Flugzeugen die ältesten MD-80 ersetzt werden
sollten. Die neuen Flugzeuge sollten Teil des Plans von TWA sein, 42% der
1996 eingesetzten Flotte zu ersetzen. Die Fluggesellschaft sollte 1999
insgesamt 37 fabrikneue Flugzeuge aus einer früheren Bestellung erhalten –
24 MD-83, 12 Boeing 757 und eine Boeing 767-300ER.
Im
Hintergrund eine startende 717/Courtesy: ?

Ersatz für
Boeing 727 und DC-9 durch MD-83 und Boeing 717
Ziel war
es, die letzten verbliebenen Boeing 727 bis Ende 1999 zu ersetzen und
gleichzeitig auch die DC-9-Flotte bis auf ca. 30 mit neuen Schalldämpfern
nachgerüstete DC-9-30 zu reduzieren. Mit Lieferung der Boeing 717 sollten
dann diese verbliebenen DC-9 ebenfalls schrittweise ersetzt werden.
Die Airbus
A318 sollten „nichts ersetzen“, sondern primär Expansion ermöglichen. TWA
erklärte außerdem, dass der Vertrag mit Airbus in keinem Zusammenhang mit
der vor Jahren getätigten Bestellung für 20 A330-300 stehen würde. Die
Abnahme A330-Bestellung sei noch nicht entschieden und man erwarte weitere
Diskussionen in naher Zukunft.
Analysten
wiesen auf einige Faktoren im Zusammenhang mit der TWA-Bestellung hin. So
sei die Entscheidung zugunsten von Airbus auch dadurch beeinflusst worden,
weil TWA schon über Jahre hinweg Anzahlungen für die A330 leistete. Auch
wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass keiner der beiden Hersteller bereit
gewesen sei, mehr als fünfzig Flugzeuge an TWA zu „verkaufen“. Dies könnte
(auch) das Splitting zwischen Boeing 717 und A318 erklären. Für Airbus wurde
TWA der wichtigste Kunde für die A318, für Boeing die TWA der zweite
Großkunde für die 717.
Eine 717-200 kurz vor der
Auslieferung/ Courtesy: Michael Carter
Airbus
hatte seinerzeit öffentlich ebenfalls geäußert: „Wenn TWA von der B717
überzeugt wäre, hätte sie nicht zusätzlich die A318 geordert“. Auch sei die
Boeing 717 nur zum Zuge gekommen, weil dieses Modell früher verfügbar
gewesen sei.
Wie dem
auch sei, keine einzige A318 wurde an TWA ausgeliefert.

Nur noch
ein Schatten vergangener Erfolge
Die
Fluggesellschaft wurde in den letzten Jahren ihrem Namen nicht mehr gerecht,
denn anhaltende finanzielle Probleme beutelten die Airline, die Jahr für
Jahr Marktanteile verlor, Strecken einstellte, andere lukrative Routen an
Konkurrenten verkaufte und ein eher schlechtes Image hatte. Um so
erstaunlicher war es, daß es TWA fertig brachte, ihre zum Teil sehr betagte
Flotte durch erheblich modernere Flugzeugmuster zu ersetzen und alleine von
1996 bis 2000 konnte TWA ihre Flotte um ca. 50 % erneuern. TWA galt auch in
Krisenzeiten als potentieller Kunde der damaligen MD-95, doch es sollte nur
ein kurzes Gastspiel der 717 geben. Die 717 sollte die 103 MD-82/-83
ergänzen und den Ersatz der verbliebenen DC-9-30-Flotte einleiten. Ab Ende
Februar 2000 wurden die ersten 717 übernommen und bis Ende 2000 waren die
ersten 15 717 im Liniendienst, weitere 15 sollten 2001 folgen.

TWA geht
endgültig die Puste aus
Ende 2000 war es aber
vielen Industriebobachter klar: TWA geht endgültig das Geld aus. TWA würde den Januar 2001
nicht überleben. Monate zuvor kursierten
immer wieder Gerüchte über einen Konkurs, eine Fusion oder die Übernahme
durch eine andere Fluglinie. American Airlines
verkündete am 09.01.2001 die Übernahme der TWA und nach einigen Monaten war
auch rechtlich und von der Aufsichtsbehörde grünes Licht gegeben worden.
Die Zukunft der 717 hing
wieder am seidenen Faden und Boeing versuchte den möglichen Schaden so
gering wie möglich zu halten.
Sehr diplomatisch
bestätigte American Airlines, daß die Übernahme von weiteren 15 B717 wie
geplant erfolgen würde, die Auslieferung von weiteren 20 B717 aber nicht
wahrgenommen wird und die Optionen nicht in Festbestellungen umgewandelt
werden. Aus TWA wurde eine
Tochtergesellschaft der American Airlines und die Interimsbemalung mit dem
Schriftzug "TWA Airlines" sollte auf die neue Situation hinweisen und die
Integration der TWA in die riesige American Airlines einleiten.

717 spielt
keine Rolle bei American Airlines
Es gab Experten, die
sofort wussten, daß die 717 bei American keine Rolle spielen würde, andere
wiederum haben der 717 eine gewisse Chance gegeben, denn die 717 bietet eine
gewisse Baugleichheit mit der riesigen MD-80-Flotte und die 717 könnte einen
guten Ersatz für die Fokker 100 darstellen. American entschied sich
aber im Dezember 2001 gegen den weiteren Einsatz und beschloss, daß die 717
bis spätestens Mitte 2002 ausgemustert wird. "Die Fokker 100 sollen noch
mindestens weitere zehn Jahre weiterfliegen", so ein Kommentar der Fluglinie
und "American Airlines möchte die Anzahl der eingesetzten Flugzeugtypen
reduzieren". So operierten zur Zeit noch
ein paar 717 als "Waisenkinder", denn ein Großteil der 717-Flotte soll schon
eingemottet worden sein. TWA setzte ihre 717 mit je
F16Y95 Sitzen ein und die 111-Sitzer kamen auf zahlreichen Kurzstrecken zum
Einsatz. Es
scheint leider eine Tatsache zu sein, daß nach vorliegenden Informationen
American Airlines im Zuge von Entlassungen aufgrund des Zusammenbruchs der
Nachfrage nach dem 11.09.01 u.a. ALLEN Mitarbeitern gekündigt hat, die einst
mit der Übernahme von TWA übernommen wurden.

Seatingchart:


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