




Courtesy: MD-80.net
Der
Aufstieg und Fall der ValuJet Airlines wurde vielfach in den Medien und in
der Fachpresse beschrieben und diese einzigartige Geschichte würde hier den
Rahmen und meine Möglichkeiten sprengen. Auch sei hier klargestellt, daß
ValuJet zu keinem Zeitpunkt Boeing 717 einsetzte.

Geburtshelfer der MD-95
Diese Fluggesellschaft war einer der tatkräftigsten Geburtshelfer der MD-95,
bestellte als erste Gesellschaft überhaupt dieses Muster und bei anhaltendem
Erfolg wäre ValuJet sicherlich zu einer Fluggesellschaft mit einem starken
"McDonnell Douglas-Flavour" durch eine B717, DC-9 und MD-80-Flotte.
ValuJet nutzte das Vakuum der Eastern Airlines, die in Atlanta einen großen
Knotenpunkt unterhielt ,aber 1991 ihren Flugbetrieb einstellten musste.
Delta Air Lines hat bekanntlich ihre Hauptbasis in Atlanta. Delta hatte ein
Monopol und so konnte diese Fluggesellschaft eine Monopol- Preispolitik
betreiben. Mitte 1993 wurde die ValuJet gegründet und diese Fluglinie nahm
am 26.10.1993 ihren Flugbetrieb mit zwei (ex Delta (!))Y113-sitzigen DC-9-32
auf. Der erste Linienflug (Flugnummer 901) verließ Atlanta um 07:30 Uhr nach
Tampa/Florida.

Ungebremstes Wachstum und enormer Anfangserfolg
ValuJet schlug wie eine Bombe ein. Die Kunden konnten endlich von günstigen
und günstigsten Ticketpreisen profitieren. Die Flugtarife wurden als sehr
einfach und logisch beschrieben. Passagieren wurde im Grunde nur der reine
Flug angeboten, Getränke und Snacks wurden nur gegen Bezahlung serviert. Die
Fluglinie wuchs rasant, in Abständen von wenigen Wochen baute ValuJet eine
immer größere DC-9-30-Flotte auf. ValuJet war hochprofitabel, flog nicht
abseits der großen Flughäfen und dadurch in direkter Konkurrenz zu den
etablierten Carriern. ValuJet revolutionierte das ticketlose Buchungssystem
und war die US-Fluggesellschaft mit den zweitniedrigstem Betriebskosten pro
Passagier/pro Meile.
Courtesy: ValuJet?
Es
wurde in allen Bereichen gespart, Flugzeugbesatzungen mussten sogar ihre
Uniformen selber finanzieren und Piloten wurden durch ein sehr
ausgeklügeltes und einfaches System entlohnt, wobei die Piloten sogar durch
finanzielle Einbußen dazu gedrängt wurden, pünktlich zu fliegen (falls diese
Information stimmt, dann ist diese Praxis sicherlich nicht
sicherheitsfördernd, wenn Piloten z.B. bei Winterwetter auf eine erneute
Enteisung verzichten, weil ihr Flug schon Verspätung hat). Die Wartung ihrer
Flotte wurde von Fremdfirmen durchgeführt. Auslastung, Konzept und Angebot schienen aber für den Passagier zu stimmen,
wenngleich die Fluglinie langsam aber sicher von Erfolg eingeholt wurde und
es immer wieder zu Zwischenfällen im Flugbetrieb kam. Innerhalb von zwei Jahren baute ValuJet eine Flotte von über 30 DC-9 auf und
die Airline hatte ab Mitte 1995 Probleme, ausreichend DC-9 zu erwerben. So
wurde die ValuJet als Kunde für 50 Fokker 100 und später (Oktober 1995) für
mindestens 25 Airbus A319 genannt. ValuJet evaluierte über einen längeren
Zeitraum die B737-600, A319 und MD-95, gab aber auch zu verstehen, daß die
Airline auch mit gebrauchten MD-80 weiter expandieren würde, falls kein
gutes Angebot vorliegen würde.
Meldung aus dem
Magazin "Aero International
McDonnell Douglas bot sogar fabrikneue MD-87 bis zur Auslieferung von MD-95
an- zu diesem Zeitpunkt galt aber in Fachkreisen eine Bestellung für A319
als sicher. Am
19.10.1995 bestellte aber ValuJet als Erstkunde 50 MD-95-30(seit Januar 1998
Boeing 717-200) + 50 Optionen! Zu
diesem Zeitpunkt setzte die Airline 36 DC-9-32 ein. ValuJet gab zeitgleich
auch den Erwerb von weiteren DC-9-31/-32 und erstmals auch DC-9-21 sowie
MD-80 bekannt und es sollten bis Mitte 1996 (Olympische Spiele in Atlanta!)
mindestens 7 MD-80 erworben werden. Die MD-80 sollten von der Swissair,
Adria Airways und Aero Lloyd übernommen.
ValuJet plante den Aufbau einer respektablen MD-80-Flotte und diese sollten
sehr wahrscheinlich auch nach Auslieferung der MD-95 betrieben werden.
Bis zur Auslieferung der MD-95 würde McDonnell Douglas bei der Suche nach
gebrauchten DC-9 und MD-80 mithelfen. McDonnell Douglas konnte somit endlich
einen Erstkunden für ihren neuen 100-Sitzer MD-95 nennen, da sich loyale
MD-Betreiber sehr zurückhaltend verhielten.

Fortgesetzter Erfolg, aber erste Schatten
ValuJet expandierte weiterhin
rasant, aber die Zwischenfälle (Startabbrüche, Verspätungen, technische
Unzulänglichkeiten, missratene Landungen) häuften sich spürbar.

Oben: Eine DC-9-32
nach einem Startabbruch in Atlanta, unten Werbung mit niedrigen Flugpreisen,
aufgenommen in einer DC-9 der ValuJet.
Die
FAA drängte ValuJet, ihre zu starke Expansion etwas zu drosseln und weniger
gebraucht erworbene Flugzeuge in Dienst zu stellen; außerdem wurde die
ValuJet mehr oder weniger stärker von der FAA unter die Lupe genommen. Die
Lage veränderte sich aber nicht wirklich...

Flug 592
Am
11.05.1996 fing eine ihrer DC-9-32 kurz nach dem Start in Miami zum
Linienflug 592 nach Atlanta aufgrund von explodierten, nicht ordnungsgemäß
gesicherten Sauerstoffgeneratoren im vorderem Frachtraum Feuer und die DC-9
stürzte in die Everglades. 110
Passagiere und Besatzungsmitglieder starben.
Dieser Absturz sollte die gesamte Airline-Branche in den USA erschüttern und
ValuJet hatte sich den Vorwürfen zu stellen, schlicht und einfach schlampig
im Flugbetrieb gewesen zu sein. In den Medien wurde (wie immer) spekuliert,
daß das Alter der DC-9 eine Rolle spielte. Auf die Auswertung des
Flugschreibers wurde nicht gewartet, Spekulationen machten die Runde.
ValuJet stellte wenige Wochen nach diesem Absturz freiwillig ihren
Flugbetrieb ein, um einer Stilllegung seitens der FAA zuvor zukommen. Dieser
Schachzug würde es ValuJet ermöglichen, ihren Flugbetrieb mit ihrer Lizenz
wieder aufzunehmen, sobald alle Anforderungen und Kontrollen der FAA
erfolgreich erfüllt seien. Die Untersuchungen deckten unglaubliche Defizite
auf und ValuJet schien unbemerkt von ihren Passagieren völlig überfordert
gewesen zu sein. Einige Flugzeuge wurden nicht gewartet, während z.B. eine
Schwestermaschine "viel zu oft" gecheckt wurde! ValuJet litt an
Unterkapazitäten. Es
mangelte an Personal und die rasante Expansion wirkte sich natürlich auf die
internen Probleme deutlich negativ aus. Jedes Flugzeug wurde von der FAA neu zertifiziert und gründlichen
Untersuchungen unterzogen. ValuJet konnte später als geplant, Ende September 1996,einen stark
eingeschränkten Flugbetrieb mit einer reduzierten DC-9-32 Flotte wieder
aufnehmen. Alle
bis dato ausgelieferten MD-80 wurden nicht wieder in Dienst gestellt, ebenso
wurden die vier DC-9-21 verkauft. ValuJet wurde einer noch nie da gewesenen Kontrolle seitens der Behörden
unterzogen, alles neu zertifiziert und viele Experten bezeichneten die
"neue" ValuJet als sicherste Fluglinie. ValuJet konnte aber das Vertrauen
der Kundschaft nicht mehr gewinnen und nach dem Zusammenschluss mit der
AirTran kommen die von ValuJet bestellten MD-95 jetzt bei der AirTran mit
der neuen Typenbezeichnung B717-200 sehr erfolgreich zum Einsatz. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Airbus bei der
ValuJet-Ausschreibung ihren Airbus A319 ins Rennen schickte. Mittlerweile
entwickelt Airbus eine noch weiter geschrumpfte Version mit der
Typenbezeichnung A318.

ValuJet war
ein Betreiber der MD-80:


"Nachfolger" ist:


Siehe bitte
auch im Zusammenhang mit Flug 592:



Oben: ValuJet wurde der Erstkunde für die
MD-95/ Courtesy: McDonnell Douglas

Courtesy: McDonnell Douglas

"Sonderblatt"/Courtesy: McDonnell Douglas


Oben: Mit solchen
Meldungen machte ValuJet bis Mai 1996 auf sich aufmerksam. Diese Meldung
stammt vom Frühjahr 1996.

Courtesy: ValuJet






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