


War die MD-80 weniger
erfolgreich als die 737-300/-400/-500?
Sehr oft wird der Eindruck
erfolgreich vermittelt, dass die MD-80 sich während ihrer Produktionszeit bis
auf einige Grossaufträge eher nicht so gut verkaufte wie der ungeschlagene
Bestseller Boeing 737. Ein etwas detaillierter Blick hilft zumindest,
etwas Klarheit zu schaffen. Die folgenden Ausführungen sind meine persönliche
Betrachtung der damaligen Situation und können deshalb nur bedingt das gesamte
Spektrum abdecken.
Aer Lingus war die erste Fluggesellschaft, die Boeing 737-300/-400/-500
zeitgleich einsetzte/Courtesy: Aer Lingus
Erfolg der MD-80 in Europa
Historisch betrachtet hat die MD-80
in Europa im relevanten Zeitraum bis auf wenige Ausnahmen nahezu alle
DC-9-Betreiber auch für die MD-80 gewinnen können und dies ist eine beachtliche
Leistung, wenn man bedenkt, dass der DC-9-Kundenstamm in Europa groß war.
Ausnahmen bestätigen hier tatsächlich die Regel. Als große Verluste darf man die
Entscheidung von KLM gegen die MD-80 und für die 737-300/-400 einschätzen, aber
auch British Midland, Turkish Airlines und JAT entschieden sich für das
Konkurrenzmodell von Boeing. Rückblickend darf man resümieren, dass die MD-80 in
ihrer aktiven Produktionszeit ein überaus erfolgreiches Modell in Europa war und
bei diversen bekannten und namhaften Fluggesellschaften das Standardmodell
wurde.
Großkunde der MD-80/Courtesy:
SAS
Größter
MD-80-Betreiber in Europa/Courtesy: Alitalia
Boeing 737-400 versus MD-82
Aufgrund von massiven Verkäufen der
MD-82 an Alitalia und ATI sowie ebenfalls hohen Auslieferungszahlen an SAS etc.
konnte die MD-82 als direkter Konkurrent der Boeing 737-400 letztlich marginal
bessere Verkaufszahlen erzielen. Der im Gesamtvergleich mit der
737-300/-400/-500 und A320 eher moderate Verkaufserfolg in Europa (aber auch
letztlich in den USA) ist sehr wahrscheinlich auf diverse Faktoren
zurückzuführen. Diverse wichtige Fluggesellschaften entschieden sich für die
A320 und/oder MD-82/-83 und in den USA wurde schon Ende der 1980er für ein
Flugzeug in dieser Klasse teilweise eine transkontinentale Reichweite gefordert
und überaus gute Eigenschaften unter "hot and high"-Bedingungen. Die gegenüber
der A320 eher "schlechteren" Werte sollen u.a. bei United Airlines (als sehr
großen Kunden der 737!) die Entscheidung gelenkt haben, dass man die A320
wählte. Hierfür habe ich keine Beweise, aber es existieren genug Indizien
hierfür im Internet. In Europa wurden u.a. British Airways und Turkish Airlines
sehr große Betreiber der 737-400, in späteren Jahren kamen noch einige weitere
Fluggesellschaften hinzu. Gleichwohl zählt nicht nur Quantität, sondern auch die
Entscheidung von 737-Traditionskunden. Hier sollte Aer Lingus erwähnt werden,
aber auch Braathens, KLM und sogar für einige wenige Jahre Lufthansa.
Lufthansa nahm sieben Boeing 737-400
ab 1992 ab/Courtesy:
Boeing
Es sollte an dieser Stelle nicht
unerwähnt bleiben, dass sich die MD-80 in einigen europäischen Staaten bei
Chartergesellschaften als überaus populär erweisen sollte.

Besonders die MD-83 war bei
europäischen Chartergesellschaften sehr populär//Courtesy: McDonnell
Douglas
Boeing 737-500 versus MD-87
Tatsache ist: die Boeing 737-500
verkaufte sich weltweit erheblich besser als die MD-87. In Europa konnte aber
ein Großteil der gesamten MD-87-Produktion abgesetzt werden. Dies lag nicht nur
an den Erstkunden Austrian sowie Finnair mit ihren eher moderaten
Original-Bestellungen für vier bzw. acht MD-87, sondern besonders an den
"Großaufträgen" von Iberia (24) sowie SAS (16). Weitere Flugzeuge konnten bei
den Fluggesellschaften Aero Lloyd, CTA sowie Transwede abgesetzt werden.
Die MD-87 gewann somit (ausgenommen CTA) bestehende DC-9- bzw. MD-80-Betreiber
für sich. Hätte Alitalia ihren einstigen Auftrag für 25 MD-87 als Ersatz ihrer
DC-9-32 nicht in Bestellungen für 25 weitere MD-82 umgewandelt, dann wären noch
mehr MD-87 nach Europa ausgeliefert worden und das Verhältnis zwischen 737-500
und MD-87 in Europa hätte sich zugunsten der MD-87 verbessert.
Werbeaufnahme einer Boeing 737-500/Courtesy: Lufthansa
In Europa konnte Boeing mit der
737-500 zahlreiche bestehende Kunden für sich gewinnen, wobei hier besonders
Lufthansa und Braathens Erwähnung finden sollten, die quantitativ die meisten
737-500 in Europa abnahmen.
Swissair war der Erstkunde für die Fokker 100/Courtesy: Swissair/Fokker
Rückblickend darf aber angenommen
werden, dass sich die zu diesem Zeitpunkt die 737-500 und MD-87 besser absetzen
ließen als zum Beispiel die Fokker 100 oder BAe 146. Mittlerweile hat die
Fokker 100 in Europa eine viel stärkere Verbreitung gefunden als dies in der
aktiven Zeit von Fokker der Fall war! Die BAe 146 konnte in modernisierter Form
als Avro RJ große Achtungserfolge bei europäischen Fluggesellschaften ab 1993/93
erzielen. Lufthansa, Crossair und Sabena (DAT) nahmen - im Vergleich zu
sonstigen Verkäufen - eine große Anzahl der vierstrahligen Jets ab.
BAe146-300 im klassischem Farbkleid
der Aer Lingus Commuter/Courtesy: BAe/Aer Lingus
Hat Boeing mehr Erfolg mit der
737-300/-400/-500 in Europa gehabt?
Es ist für mich schwer einschätzbar,
da ich mir nicht die Mühe machte, die einzelnen Verkäufe genau zu analysieren.
Es erscheint aber so, dass Boeing es mehr oder weniger zeitgleich gelang, eine
große Mehrheit von Boeing 737-200-Kunden für die nächste Generation der Boeing
737 (also die -300/-400 und -500) zu gewinnen. In den 1980ern waren die
Flottenstrukturen und deren Entwicklung noch "berechenbarer" und nur selten
wechselte tatsächlich eine Fluggesellschaft. Einige Boeing 737-200-Verkäufen
gingen teilweise hartnäckige Diskussionen mit Gewerkschaften bei einigen
Fluggesellschaften voraus und/oder erzeugten politische Unruhe. Hier seien die
Fluggesellschaften Air France und British Airways genannt, die erst mit einiger
Verzögerung ihre bestellten 737-200Adv. tatsächlich einführen konnten.
Sehr großer Kunde für die 737-300/-300/Courtesy: Lufthansa
Großer Erfolg für die A320-Familie
Ab Anfang der 1990er Jahre und dann
massiv ab Mitte der 1990er wurde sehr deutlich, dass Airbus mit der Airbus
A320-Familie ein Produkt anbot, welches für viele europäische Fluggesellschaften
die Antwort für ihre zukünftige Flottenstrukturen darstellen sollten. Hierbei
wird oft erwähnt, dass die Grundsatzentscheidungen von Swissair und Austrian
Airlines für die A320-Familie ganz deutlich aufzeigen sollte, dass McDonnell
Douglas es nicht gelang, diese beiden Traditionskunden für ihre MD-90 zu
gewinnen.
Die Boeing 737NG in Europa
Meiner Ansicht nach hat die Boeing
737NG weitaus weniger Zuspruch bei traditionellen Boeing 737-Betreibern gefunden
als man eigentlich hätte erwarten dürfen. Die Mehrheit der traditionellen Nutzer
der 737-200/-300/-400/-500 entschieden sich zumeist für die A320-Familie und
gegen die Boeing 737NG! Die Boeing 737Ng wurde dennoch ein großer Verkaufserfolg
in Europa und dies ist meiner Meinung nach besonders Niedrigpreisanbietern zu
verdanken, die Boeing 737NG bestellten, aber auch einigen wichtigen und damals
zumeist ausschließlich als Chartergesellschaften operierenden Fluglinien
sowie diversen bekannten europäischen Luftverkehrsgesellschaften, die sich
für die dritte Generation der 737 entschieden.
Erstkunde der 737-800 war
Hapag-Lloyd, hier im klassisch schönem Farbkleid/Courtesy: Boeing
Einige sehr bekannte und für Boeing
teilweise überaus wichtige Fluggesellschaften entschieden sich im Zuge ihrer
Flottenerneuerung für die A320-Familie und wechselten in einigen Fällen
vollständig ihre 737-Flotten gegen die A320-Familie aus. Als herber Rückschlag
darf historisch die Entscheidung von British Airways gewertet werden, die sich
gegen die 737NG und für die A320-Familie entschieden, aber auch in dieser
Zeitphase die Sabena, Aer Lingus, British Midland und TAP Air Portugal.
Andererseits konnte Boeing bei den klassischen Liniengesellschaften die SAS als
neuen Boeing 737-Nutzer gewinnen, sieht man einmal von der zeitweiligen Nutzung
von Boeing 737 der zuvor integrierten Linjeflyg ab.
SAS wurde der Erstkunde der 737-600/Courtesy: SAS
Auch die KLM blieb der 737 treu und
bestellte als Ergänzung ihrer 737-300-400 Boeing 737-800/-900 und neuere
Bestellungen 8auch für die 737-700) werden den Ersatz der ältesten 737-300/-400
einleiten. Turkish Airlines - als wichtiger Betreiber der 737-400 und zweier
Boeing 737-500 - entschieden sich ebenfalls für eine große Boeing
737-800-Flotte, wobei aber diese Fluggesellschaft ihre homogene Flotte zugunsten
einer gemischten 737/A320-Familie aufgegeben hat. Nennenswert seien aber auch
Malev, Lauda Air, Air Europa und Maersk Air sowie Braathens. In jüngerer
Vergangenheit entschieden sich CSA und Air One für die A320-Familie - zwei
weitere Boeing 737-Betreiber, die automatisch zum potentiellen Kundenkreis der
737NG hätten gehören können!
Nach der Übernahme von McDonnell
Douglas wenig vom Kundenstamm profitiert
Es sollte festgehalten werden, dass
Boeing vom übernommenen - und nicht unerheblichen - Kundenstamm von McDonnell
Douglas nach der Fusion in Europa nur sehr wenig profitieren konnte bzw.
es Boeing nicht gelang, wichtige und lukrative Aufträge für sich zu gewinnen.
Hier seien Spanair genannt, aber auch Finnair, Meridiana sowie genau genommen
auch Crossair und Edelweiss. Sämtliche Fluggesellschaften sahen/sehen Airbus als
Ersatz ihrer MD-80 vor. Auch bei jüngeren Entscheidungen bei Iberia und streng
genommen auch Air France sowie Lufthansa konnte Boeing mit der aktuellen 737
keinen Erfolg verbuchen.
Dennoch ein immenser Erfolg!
Die Boeing 737NG ist - um es hiermit
deutlich zu schreiben - in Europa dennoch ein immenser Erfolg. Nicht zuletzt
durch Ryanair, Air-Berlin und easyJet konnten zahlreiche Boeing 737NG nach
Europa abgesetzt werden, aber auch andere Günstiglinien entschieden sich für die
derzeit modernsten Versionen der 737. Die Anzahl an in Europa eingesetzten
Boeing 737NG ist enorm und ein klares Zeichen für den unglaublichen Erfolg
dieser Baureihe!




Diese Seite wurde am 20.03.2007
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