So
konnte McDonnell Douglas u.a. am 05.09.1995 eine Absichtserklärung für sechs
MD-90 mit der taiwanesischen EVA Air bestätigen, die am 30.08.1995
unterzeichnet wurde. Sobald die Festbestellung bestätigt wäre, würde
EVA Air Optionen für weitere sechs MD-90 vereinbaren. Die MD-90 sollten in
einer Zweiklassen-Konfiguration mit 155 Passagieren ausgestattet werden.
Vier der MD-90 sollten im Herbst 1996 ausgeliefert, zwei weitere MD-90 im 1.
Quartal 1997 zur Flotte stoßen, wobei EVA Air die ersten 5 MD-90
bei der damals assoziierten Makung International (später UNI Air) einsetzen
wollte und nur die sechste MD-90 selber. Am 30.10.1995 wurde dann die
Absichtserklärung bestätigt und EVA Air bestellte sechs MD-90 + sechs
Optionen.
EVA MD-90 - Achtungserfolg für den Hersteller/Courtesy: McDonnell Douglas
Wenige
Tage zuvor gelang es McDonnell Douglas am 26.10.1995, den lange erwarteten
Vertrag über einen Auftrag für 29 MD-90 mit der Saudia (später wieder Saudi
Arabian Airlines) unter Dach und Fach zu bringen. Diese Bestellung wurde
durch die US-Regierung bekannt gegeben und es gibt nicht nur deshalb böse
Zungen, die behaupten, daß die damalige US-Regierung massiv an dem
„Saudia-Deal“ (für Boeing 777, 747-400, MD-11 und MD-90) gearbeitet hatte.
Es wurde sogar von Experten bestätigt, daß es „eine große Kunst war“, die
MD-90 an Saudia zu vermitteln, da diese Fluglinie eigentlich keine
Verwendung für dieses Flugzeugmuster hatte. Es scheint aber richtig zu
sein, daß nur wenige Jahre zuvor (aber schon in den 90er Jahren), Saudia als
potentieller Kunde für 20 MD-80 und eine nicht bekannte Anzahl für MD-11
galt. Schon 1993 wurde Saudia als möglicher Kunde für MD-80 oder für MD-90
"mit MD-11-Cockpit" erwähnt.
Courtesy: Saudi Arabian Airlines
Ende
1995 wurde dann auch die Bestellung von Reno Air für zwei MD-90 bekannt.
Dieser Vertrag war eigentlich eine Leasingvereinbarung, denn diese beiden
MD-90 wurden für 18 (!) Jahre geleast - auch eine Möglichkeit, Flugzeuge bei
Luftfahrtgesellschaften unterzubringen. Bei McDonnell Douglas war es aber
mittlerweile üblich, ihre Flugzeuge durch so lange Laufzeiten preisgünstig
unterzubringen. Die MD-90 ergänzten dort eine respektable MD-80-Flotte und
Reno Air setzte rückblickend ihre MD-90 äußerst erfolgreich ab
lärmsensitiven Flughäfen ein.
Courtesy: McDonnell
Douglas
Das Jahr
1996 begann ebenfalls erfreulich. McDonnell Douglas hatte vor wenigen Wochen
den Großauftrag der ValuJet für insgesamt bis zu 100 MD-95 gewonnen, Onur
Air wurde ein weiterer MD-80-Kunde und Saudia mauserte sich zu einem großen
MD-90-Kunden und half auch der schleppenden MD-11-Linie. Der
Hersteller verhandelte mit zahlreichen bestehenden Kunden über weitere
Verkäufe ihrer MD-90, MD-95 und MD-80. Es schien sich die Situation bei der
Zivilsparte von McDonnell Douglas zu verbessern, aber innerhalb des
Unternehmens rumorte es...
Neue
Tragfläche für die MD-90?
McDonnell Douglas meldete dennoch, daß es Planungen geben würde, die MD-90
mit „einem neuen Tragflügel zu versehen“. Der Hersteller musste nämlich
endgültig feststellen, daß die Übernahme des MD-80-Flügels zwar enorme
Entwicklungskosten sparte, die MD-90 dadurch aber aerodynamisch ausgereizt
war und im Vergleich zur Boeing 737-800 nicht ohne Probleme von US-Küste zu
US-Küste mit voller Nutzlast und bei hohen Temperaturen und oder kurzen
Pisten operieren konnte. McDonnell Douglas wollte die MD-90 mit einem neuen
Tragflügel ausstatten und somit die Defizite gegenüber der 737-800
kompensieren. Der Hersteller zielte hier besonders auf den größten
MD-80-Betreiber American Airlines, die offensichtlich die Leistungsfähigkeit
der MD-90 für ihre Bedürfnisse als nicht ausreichend beurteilte. Die
Fluggesellschaft suchte zu diesem Zeitpunkt noch einen endgültigen Ersatz
für ihre 727-200Adv.-Flotte und McDonnell Douglas wollte natürlich die
Tatsache ausnutzen, daß American Airlines 260 MD-82/-83 einsetzte und
Tatsache nutzen, dass die Luftverkehrsgesellschaft mit der MD-80 überaus
zufrieden war. Die Konzepte für einen neuen Tragflügel verschwanden wieder
so schnell, wie sie kamen. McDonnell Douglas kam mit ähnlichen Planungen für
die MD-95-50 an die Öffentlichkeit. Hier sollte der MD-95-Flügel durch den
MD-80-Flügel ersetzt werden. Die MD-95-50, eine damals projektierte
gestreckte Version der MD-95-30, sollte dadurch eine erheblich höhere
Reichweite erhalten. Auch diese Pläne konnte McDonnell Douglas nicht mehr
verwirklichen, wenngleich in späteren Jahren darüber spekuliert wurde, daß
Boeing eine gestreckte Version (bisher ohne neuen Tragflügel) unter der
Bezeichnung 717-300X planen wollte.
MD-90 in
den USA, Europa und Asien
Nach
Angaben des Hersteller verhandelte man damals mit 30 potentiellen Kunden für
die MD-95 und es gab natürlich auch Hoffnungen, dass Fluggesellschaften die
MD-90 und die MD-95 bestellen würden. 1996 war auch das Jahr, wo die
MD-90 in Europa, China, Japan und Taiwan ihr Debüt feierte. Im Frühjahr 1996
flogen MD-90 bei Delta Air Lines, Reno Air und erste MD-90 wurden an JAS
ausgeliefert. Die Zuverlässigkeit der MD-90 lag bis dahin bei 98,7% und
McDonnell Douglas arbeitete daran, daß die Zuverlässigkeit einen Wert von
99% erreichen würde. Es erschien wirklich so, daß McDonnell Douglas sich
wieder erholen würde, da das Interesse an MD-90 generell stieg und auch die
MD-11 wieder ein paar weitere Verkäufe verzeichnen konnte. Der Hersteller
sagte damals, daß „man wir die Markterholung spüren und sich immer mehr
Kunden wieder für unsere Produkte interessieren“.
Lizenzproduktion in der VR China
So konnte McDonnell Douglas am
22.07.1996 einen Vertrag mit der China Aviation Supplies Corporation über 20
MD-90 unterzeichnen. Eine Absichtserklärung wurde ein Jahr zuvor
unterschrieben. Elf dieser MD-90 sollten
an die China Northern Airlines ausgeliefert werden, neun MD-90 an China
Eastern Airlines. Entgegen anderer
Planungen sollten diese ersten 20 MD-90 in Long Beach gefertigt werden. Ab
April 1998 sollten dann 20 weitere MD-90 in Shanghai in Lizenz produziert
werden. Erste Auslieferungen an
China Northern Airlines erfolgen sehr schnell ab Ende Juli 1996 und bis
Jahresende 1996 wurden zwei weitere MD-90 übernommen. 1997 folgten weitere
drei MD-90, ebenfalls drei 1998 und zwei 1999, während China Eastern
Airlines ihre ersten MD-90 ab Ende 1997 erhalten sollte. In der VR China wurden
nur zwei MD-90 in Lizenz gefertigt und diese sollten (auf Anordnung) an den
737-Betreiber Shenzen Airlines ausgeliefert werden. Diese Fluglinie hat sich
verständlicherweise gegen die Indienststellung von zwei MD-90 gewehrt und
darauf hingewiesen, daß dieses Modell nicht in ihre Flottenpolitik passt. Es gab dann Gerüchte,
daß Shenzhen Airlines insgesamt bis zu fünf MD-90 erhalten sollte. Es blieb
bei den zwei MD-90, die dann aber letztendlich an den
bestehenden MD-90-Betreiber China Northern Airlines vermittelt werden
konnten. Durch die Übernahme von McDonnell Douglas durch Boeing,
verschlechterten sich die Chancen für die MD-90 sehr. Darum wurde es auch
still um die MD-90. Einige Fluglinien schienen die Auslieferungen ihrer
MD-90 zu beschleunigen, andere stornierten Optionen und mussten eine neue
Flottenpolitik verfolgen. Nach dem Bau von nur 114
MD-90 wurde die Produktion beendet. Die MD-90 konnte somit den großen Erfolg
der MD-80 nicht fortsetzen. Das einzige zivile Modell, daß die Übernahme von
McDonnell Douglas so gut wie unbeschadet überstand, ist die MD-95, die aber
"leider" unter der Bezeichnung „Boeing 717“ vermarktet wird.